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Eidgenössische Vorlage
Abstimmungs-Dossier

Volksabstimmung vom 29. November 2026

Für eine Einschränkung von Feuerwerk (Feuerwerksinitiative)

Tiefe
Lesefassung
Leicht

Lesefassung: Standard

Abstimmung
29.11.2026
Typ · Mehrheit
Volksinitiative · Volk und Stände
Eingereicht
03.11.2023 · 137'193 Unterschriften
Empfehlung Bundesrat & Parlament
Nein (NR 131:50, SR 40:3)

Quellen: Bundesblatt/Fedlex · parlament.ch (Curia Vista, namentliche Abstimmung) · BAFU · Suva · Komitees · gfs.bern · Abstimmungsbüchlein (12.10.2026) · Umfrageinstitute

Worum geht es?

Die Initiative will, dass laute Feuerwerkskörper in der ganzen Schweiz nicht mehr verkauft und nicht mehr gezündet werden dürfen. Für grosse Anlässe von überregionaler Bedeutung könnten die Kantone Ausnahmen bewilligen. Feuerwerk ohne Lärm, etwa bengalische Feuer oder Vulkane, bliebe erlaubt. Was genau «Lärm» heisst, steht nicht im Initiativtext — das müsste das Gesetz regeln. Bundesrat und Parlament sagen Nein. Ein Gegenvorschlag im Parlament ist gescheitert.

Die Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» verlangt einen neuen Art. 74a BV: Verkauf und Verwendung von Feuerwerkskörpern, die Lärm erzeugen, sind verboten; für Anlässe von überregionaler Bedeutung kann die zuständige kantonale Behörde Ausnahmebewilligungen erteilen; der Vollzug liegt bei den Kantonen. Die Ausführungsbestimmungen müssten spätestens zwei Jahre nach Annahme in Kraft treten. Lanciert wurde die Initiative von 15 parteilosen Privatpersonen; eingereicht am 3. November 2023 mit 137'193 gültigen Unterschriften. Bundesrat und Parlament empfehlen Ablehnung. Ein indirekter Gegenvorschlag (Böllerverbot im Sprengstoffgesetz) scheiterte am 19. Juni 2026 in der Schlussabstimmung des Nationalrats mit 114:79. Es braucht Volks- und Ständemehr.

Wie es dazu kam

Über 100 Gemeinden haben Feuerwerk bereits eingeschränkt oder verboten; in der Stadt Bern hat der Stadtrat im März 2026 eine Motion für ein Verbot lärmender Feuerwerkskörper überwiesen. Der Bundesrat findet: Das reicht, die Kantone und Gemeinden können das selbst regeln. Das Parlament wollte einen Kompromiss auf Gesetzesstufe — ein Verbot nur für Knallkörper. Dieser Kompromiss fiel in letzter Minute durch, weil SVP und Grüne aus gegensätzlichen Gründen dagegen stimmten. Darum kommt jetzt die Initiative allein vors Volk.

Die Initiative entstand ausserhalb des Parteiensystems: 15 parteilose Privatpersonen gründeten einen Verein und sammelten ab Mai 2022 Unterschriften, unterstützt von Tierschutzorganisationen (Schweizer Tierschutz STS, Stiftung für das Tier im Recht, Vier Pfoten). Der Bundesrat lehnte die Initiative am 16. Oktober 2024 ohne Gegenvorschlag ab: Auswirkungen von Feuerwerk seien zeitlich und örtlich begrenzt, Kantone und Gemeinden verfügten bereits über die Rechtsgrundlagen für Einschränkungen. Das Parlament ging einen anderen Weg und erarbeitete — weil Umfragen dem Anliegen grossen Rückhalt attestierten — einen indirekten Gegenvorschlag im Sprengstoffgesetz (Verbot reiner Knallkörper, Importlimite 2,5 kg). Er passierte beide Räte, scheiterte aber am 19. Juni 2026 in der Schlussabstimmung des Nationalrats (114:79) an einer Allianz aus SVP («zu viel Bürokratie») und Grünen («wirkungslos»). Das Komitee sprach von einem «Scheinkompromiss» und verzichtete auf den Rückzug.

Bei einem Ja
Laute Feuerwerkskörper dürfen in der ganzen Schweiz nicht mehr verkauft und nicht mehr privat gezündet werden. Für grosse Anlässe können die Kantone Ausnahmen erlauben. Das Gesetz dazu muss innert zwei Jahren stehen.
Art. 74a BV und eine Übergangsbestimmung treten in Kraft; die Ausführungsbestimmungen müssen spätestens zwei Jahre nach der Annahme gelten, an der Kompetenzverteilung ändert sich laut Botschaft nichts: Herstellung und Einfuhr bleiben Bundesbewilligung, Detailhandel und Vollzug kantonal. Nach Darstellung der Befürworter bleiben geräuschlose Feuerwerkskörper, Laser- und Drohnenshows sowie bewilligte Grossfeuerwerke möglich. Nach Darstellung der Gegner wären faktisch alle klassischen Höhenfeuerwerke betroffen, weil es lautlose Höhenfeuerwerke technisch nicht gebe — was «Lärm» bedeutet, müsste das Gesetz erst definieren. Der Bundesrat selbst hält in der Botschaft fest, dass Feuerwerke mit grossen Buketts am Himmel nur noch im Rahmen von Anlässen von überregionaler Bedeutung möglich wären.
Bei einem Nein
Auf Bundesebene ändert sich nichts. Auch das mildere Böllerverbot kommt nicht, weil der Gegenvorschlag im Parlament gescheitert ist. Kantone und Gemeinden können Feuerwerk weiterhin selbst einschränken.
Es gilt weiterhin das Sprengstoffgesetz ohne neue Einschränkungen; das im Gegenvorschlag geplante Böllerverbot und die Importlimite treten nicht in Kraft. Kantone und Gemeinden behalten ihre Kompetenz, Verkauf und Abbrennen zeitlich und örtlich zu beschränken — über 100 Gemeinden tun das bereits.
Parolenspiegel · wer empfiehlt was
Ja
SPGrüneGLPEVPSchweizer Tierschutz STSVier Pfoten
Nein
Bundesrat & ParlamentSVPFDPDie MitteEDUGewerbeverband sgvProFeuerwerk / Feuerwerksbranche
Stimmfreigabe
Schweizer Bauernverband

Parolen gemäss Beschlüssen der Parteien und Verbände (Delegiertenversammlungen, Medienmitteilungen); Bundesrat & Parlament gemäss Bundesbeschluss. · Stand: 25. Oktober 2026

Wie hat das Parlament gestimmt?
Nationalrat · Schlussabstimmung 19.06.2026 (Ja = gegen die Ablehnungsempfehlung)
50 Ja
131 Nein

18 Enthaltungen

Ständerat · Schlussabstimmung 19.06.2026 (Ja = gegen die Ablehnungsempfehlung); Quelle: Abstimmungsbüchlein S. 7
3 Ja
40 Nein

1 Enthaltung

ZH Jedes Mitglied einzeln — mit Kantonswappen & Resultat alle 246 ansehen
Die Waage · was gewinnt man, was gibt man auf
Bei einem JA
+ Gewinn
  • Schweizweit einheitliche Regel statt Flickenteppich
  • Schutz von Tieren, Umwelt und lärmempfindlichen Menschen
− Verzicht
  • Privates lautes Feuerwerk an 1. August und Silvester
  • Föderale Lösung vor Ort; Branche unter Druck
Bei einem NEIN
+ Gewinn
  • Tradition und Eigenverantwortung bleiben
  • Kantone und Gemeinden entscheiden selbst
− Verzicht
  • Keine nationale Regel — auch kein Böllerverbot
  • Belastung durch Lärm und Feinstaub bleibt lokal geregelt

Opportunitätskosten = der Preis der nicht gewählten Option. Symmetrisch dargestellt, ohne Wertung.

Argumente — paritätisch, mit Quelle

Dafür

Nationalrat Kilian Baumann (Grüne) in der Ratsdebatte / Initiativkomitee
Tiere & Umwelt Panische Fluchtreaktionen von Haus-, Nutz- und Wildtieren führten zu Verletzungen und Todesfällen; Feinstaub und Abfall belasteten Böden, Gewässer und die Landwirtschaft. Quelle: Nationalrat Kilian Baumann (Grüne) in der Ratsdebatte / Initiativkomitee ↗
Tradition & Zusammenleben Es sei «kein Plädoyer für Verbote, sondern für mehr Rücksicht»: Lärmbelastung treffe vulnerable Menschen, etwa mit posttraumatischer Belastungsstörung. Feste wie der 1. August blieben mit Licht-, Laser- und Drohnenshows möglich. Quelle: Nationalrätinnen Meret Schneider (Grüne) und Anna Rosenwasser (SP) / Schweizer Tierschutz ↗
Föderalismus & Recht Über 100 Gemeinden hätten bereits Einschränkungen — eine landesweit einheitliche Regel beende den Flickenteppich. Grosse öffentliche Feuerwerke blieben mit kantonaler Bewilligung erlaubt. Quelle: Initiativkomitee / tierschutz-helfer.ch ↗
Wirtschaft & Branche Wenige profitierten von Feuerwerken, während viele — Menschen, Tiere und Umwelt — darunter litten; leise Alternativen seien gleichwertig. Quelle: Initiativkomitee (Verein für eine Einschränkung von Feuerwerk) ↗

Dagegen

Bundesrat (Botschaft) / Schweizerische Koordinationsstelle Feuerwerk SKF
Tiere & Umwelt Die Auswirkungen von Feuerwerk seien zeitlich und örtlich begrenzt; rund 90 Prozent der Feuerwerke würden an zwei Abenden im Jahr gezündet. Kantone und Gemeinden könnten Tiere und Ruhebedürftige bereits heute schützen. Quelle: Bundesrat (Botschaft) / Schweizerische Koordinationsstelle Feuerwerk SKF ↗
Tradition & Zusammenleben Es gehe «um unsere Freiheit und unsere Traditionen»: Feuerwerk gehöre für viele zum 1. August und zu Silvester; Eigenverantwortung werde gelebt und nicht durch «radikale Verordnungen» bestimmt. Quelle: Nationalrat Roman Hug (SVP) und Nationalrätin Bettina Balmer (FDP) in der Ratsdebatte ↗
Föderalismus & Recht Die Rechtsgrundlagen bestünden bereits: Viele Städte und Gemeinden schränken Feuerwerk zeitlich oder örtlich ein oder verlangen eine Bewilligung. Der Begriff «Lärm» sei im Initiativtext nicht definiert und drohe zum «bürokratischen Albtraum» zu werden. Quelle: Bundesrat (Botschaft) / SKF ↗
Wirtschaft & Branche Ein klassisches Höhenfeuerwerk ohne Lärm gebe es technisch nicht; Fachgeschäfte, Importeure und Hersteller seien gefährdet, und Verbote förderten wie in den Niederlanden den Schwarzmarkt. Quelle: Verein ProFeuerwerk (Nein-Komitee) ↗
Szenario-Schalter · „Was wäre wenn?“

Wähle eine Situation — sieh, wie sie sich heute und mit Art. 54a auswirken würde.

Heutige Praxis

Erlaubt, soweit die Gemeinde es nicht einschränkt — über 100 Gemeinden haben Regeln.

Mit Art. 54a

Laute Feuerwerkskörper dürften nicht mehr verkauft und gezündet werden; leise (Vulkane, bengalische Feuer) bleiben erlaubt.

Zwei Wege · was nach der Abstimmung passiert

Bei Ja und bei Nein geht es weiter — auf zwei verschiedenen Wegen. Jede Station ist markiert: gesetzlich festgelegt, amtlich geschätzt oder von den Lagern erwartet. Antippen zeigt Text und Quelle.

Bei einem Ja
  1. 2026 Art. 74a wird Teil der Bundesverfassung gesetzlich festgelegt

    Mit dem Ja von Volk und Ständen steht das Verbot des Verkaufs und der Verwendung lärmerzeugender Feuerwerkskörper in der Verfassung. Die Übergangsbestimmung verlangt, dass die Ausführungsbestimmungen spätestens zwei Jahre nach der Annahme in Kraft treten.

    Quelle: Bundesbeschluss vom 19. Juni 2026, BBl 2026 1760 (Art. 74a und Art. 197 Ziff. 15 BV) ↗
  2. 2027–2028 Bund muss «Lärm» und «überregionale Bedeutung» im Gesetz definieren gesetzlich festgelegt

    Der Initiativtext definiert nicht, was ein lärmerzeugender Feuerwerkskörper ist; laut Botschaft gibt es zurzeit keine anerkannte Definition. Das Parlament müsste das Sprengstoffgesetz anpassen, den Begriff «überregionale Bedeutung» konkretisieren und entweder einen Lärmgrenzwert mit Messmethode und Kennzeichnung festlegen oder bestimmte Typen von Feuerwerkskörpern verbieten. An der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen ändert sich nichts.

    Quelle: Botschaft des Bundesrates vom 16. Oktober 2024, BBl 2024 2685, Ziff. 3.3 ↗
  3. spätestens 29.11.2028 Verkaufs- und Verwendungsverbot in Kraft, Vollzug bei den Kantonen gesetzlich festgelegt

    Ab Inkrafttreten der Ausführungsbestimmungen dürfen lärmerzeugende Feuerwerkskörper nicht mehr verkauft und nicht mehr verwendet werden. Für Anlässe von überregionaler Bedeutung kann die zuständige kantonale Behörde auf Gesuch hin eine Ausnahmebewilligung erteilen; es ist eine Kann-Bestimmung. Den Vollzug übernehmen die Kantone, soweit das Gesetz ihn nicht dem Bund vorbehält.

    Quelle: BBl 2026 1760, Art. 74a Abs. 1–3 und Art. 197 Ziff. 15 BV ↗
  4. ab 2029 Auswirkungen laut Bundesrat amtliche Schätzung

    Nach Einschätzung des Bundesrates würden Lärm, Luft- und Bodenverschmutzung sowie Brände und Unfälle abnehmen; Feuerwerke mit grossen Buketts am Himmel wären nur noch an Anlässen von überregionaler Bedeutung möglich. Die Importeure wären stark betroffen (lärmerzeugende Körper machen laut Branche rund 70 Prozent des Umsatzes aus), die vier Schweizer Hersteller weniger, weil sie vor allem Vulkane und Bengalhölzer produzieren. Die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft wären gering; der unzulässige Import über den Onlinehandel könnte zunehmen.

    Quelle: Botschaft BBl 2024 2685, Ziff. 4.2.1–4.2.4 (Bundesrat 2024, gestützt auf Federas-Studie im Auftrag des BAFU; Annahme: Definition von «Lärm» noch offen, Branchenschätzung für den Umsatzanteil) ↗
  5. ab 2029 Was am 1. August und an Silvester noch möglich ist Erwartung der Lager

    Wie weit das Verbot im Alltag reicht, ist zwischen den Lagern umstritten und hängt von der gesetzlichen Definition ab.

    Befürworter:innen sagen

    Leise Feuerwerkskörper wie Vulkane, Wunderkerzen und bengalische Feuer sowie Laser- und Drohnenshows bleiben erlaubt; überregionale, professionelle Grossfeuerwerke an Festen von Gemeinden und Städten bleiben auf Gesuch hin bewilligungsfähig.

    Initiativkomitee (Verein für eine Einschränkung von Feuerwerk) / tierschutz-helfer.ch ↗
    Gegner:innen sagen

    Ein klassisches Höhenfeuerwerk ohne Lärm gebe es technisch nicht; Raketen, Batterien und farbige Buketts wären verboten. Lokale 1.-August-Feiern wären nicht mehr möglich, und die wenigen ganz grossen Feuerwerke würden von ausländischen Firmen durchgeführt.

    Verein ProFeuerwerk (Nein-Komitee) / Schweizerische Koordinationsstelle Feuerwerk SKF ↗
    Quelle: Strittiger Punkt laut Botschaft BBl 2024 2685, Ziff. 3.3 ↗
  6. bis 2035 Einheitliche Regel oder neue Probleme? Erwartung der Lager

    Ob eine nationale Regel die Lage vereinfacht oder neue Vollzugsprobleme schafft, beurteilen die Lager gegensätzlich.

    Befürworter:innen sagen

    Eine nationale Lösung schaffe Rechtsklarheit und beende den Flickenteppich von über hundert kommunalen Regeln; Tiere, lärmempfindliche Menschen und Umwelt würden dauerhaft geschützt.

    Initiativkomitee / Schweizer Tierschutz STS ↗
    Gegner:innen sagen

    Das Verbot werde zum «bürokratischen Albtraum»; weil der Begriff «Lärm» nicht definiert sei, könnte schon der Abschussknall erfasst werden. Verbote verlagerten die Nachfrage wie in den Niederlanden auf den Schwarzmarkt und gefährdeten Fachgeschäfte, Importeure und Arbeitsplätze.

    Nationalrat Roman Hug (SVP) in der Ratsdebatte / SKF / ProFeuerwerk ↗
    Quelle: Ratsdebatte Nationalrat 11.12.2025 (Curia Vista 24.080) ↗
Bei einem Nein
  1. 2026 Bundesrecht bleibt unverändert, kein Böllerverbot gesetzlich festgelegt

    Sprengstoffgesetz und Sprengstoffverordnung gelten unverändert. Das vom Parlament erarbeitete Böllerverbot mit Importlimite tritt nicht in Kraft, weil der Nationalrat den indirekten Gegenvorschlag am 19. Juni 2026 in der Schlussabstimmung mit 114 zu 79 Stimmen verworfen hat. Auf Bundesebene ist kein weiterer Vorstoss zu Feuerwerk hängig.

    Quelle: Curia Vista, Pa.Iv. 25.402 (Schlussabstimmung 19.06.2026) und Geschäftssuche parlament.ch ↗
  2. ab 2027 Geltende Regeln: Kategorien F1–F4, kantonale Verkaufsbewilligung, Importlimite im Reiseverkehr gesetzlich festgelegt

    Feuerwerkskörper bleiben nach EU-harmonisierten Kategorien F1 bis F4 zugelassen; F4 ist Personen mit Fachausweis vorbehalten. Handel und Verkauf brauchen eine kantonale Bewilligung; die Kantone können den Detailhandel zeitlich auf bestimmte Anlässe beschränken oder bestimmte Feuerwerkskörper verbieten (Art. 44 SprstG). Im Reiseverkehr dürfen F1–F3 bis 2,5 kg ohne Bewilligung eingeführt werden, am Boden knallende Körper ausgenommen.

    Quelle: Botschaft BBl 2024 2685, Ziff. 2.1.1 (SprstG SR 941.41, SprstV SR 941.411) ↗
  3. ab 2027 Kantone und Gemeinden regeln weiter selbst gesetzlich festgelegt

    Neun der zehn grössten Städte schränken Feuerwerk bereits ein: Die Stadt Zürich bewilligt nur Feuerwerke an Grossveranstaltungen von öffentlichem Interesse, die Stadt Bern verbietet F2–F4 in der Altstadt, Davos hat 2020 lärmerzeugende Körper per Gemeindeabstimmung verboten. Basel-Landschaft untersagt Feuerwerk an hohen Feiertagen im Ruhetaggesetz. Seit 1. April 2026 gilt in allen Kantonen ein Verbot von Pyrotechnik in öffentlich zugänglichen Innenräumen (Brandschutzvorschriften). Diese Regeln bleiben bei einem Nein bestehen.

    Quelle: Botschaft BBl 2024 2685, Ziff. 2.1.2–2.1.3; Innenraumverbot: Curia Vista 24.080 (Ständerat 03.06.2026) und SRF 06.03.2026 ↗
  4. 2026–2027 Laufende Vorstösse in Kantonen und Städten gesetzlich festgelegt

    Der Berner Stadtrat hat am 12. März 2026 mit 34 zu 27 Stimmen eine Motion für ein Verbot lärmender Feuerwerkskörper überwiesen; der Gemeinderat muss das Feuerwerksreglement anpassen. Im Kanton Zürich verlangt ein überparteiliches Postulat vom Juni 2026 eine kantonale Einschränkung lauter Feuerwerkskörper; rund 30 Zürcher Gemeinden haben an Gemeindeversammlungen bereits Verbote beschlossen. Die Gemeindeliste von tierschutz-helfer.ch führt rund 100 Gemeinden mit Verboten oder Einschränkungen.

    Quelle: swissinfo/SDA 12.03.2026 (Bern), swissinfo/SDA 19.06.2026 (Kanton Zürich), tierschutz-helfer.ch (Gemeindeliste) ↗
  5. ab 2027 Bleibt das Problem lokal lösbar? Erwartung der Lager

    Ob die föderale Regelung genügt, beurteilen die Lager gegensätzlich.

    Befürworter:innen sagen

    Der Flickenteppich bleibe bestehen, Lärm mache an Gemeindegrenzen nicht halt; Tiere gerieten weiter in Panik, Menschen litten unter Lärm, und die Umwelt werde weiter mit Abfall und Feinstaub belastet. Auch das mildere Böllerverbot komme nicht.

    Initiativkomitee / Nationalrat Kilian Baumann (Grüne) in der Ratsdebatte ↗
    Gegner:innen sagen

    Kantone und Gemeinden verfügten bereits über die Rechtsgrundlagen und machten davon Gebrauch; Tradition und Eigenverantwortung blieben erhalten, Probleme würden dort gelöst, wo sie entstehen. Neue nationale Einschränkungen seien nicht nötig.

    Bundesrat (Botschaft) / SKF / Nationalrätin Bettina Balmer (FDP) in der Ratsdebatte ↗
    Quelle: Bundesrat (Medienmitteilung 16.10.2024) und Ratsdebatte (Curia Vista 24.080) ↗
  6. bis 2035 Referenzwerte ohne neue Bundesregel amtliche Schätzung

    Der Verbrauch an Feuerwerkskörpern schwankte 2010–2022 zwischen 1200 und 2300 Tonnen pro Jahr (Durchschnitt 1700 Tonnen), ohne Trend nach oben. Feuerwerke setzen laut BAFU 200 bis 400 Tonnen Feinstaub PM10 pro Jahr frei, rund 2 bis 3 Prozent der Jahresemissionen, mit kurzzeitigen Grenzwertüberschreitungen. Die Suva registriert rund 200 bis 230 Unfälle pro Jahr bei UVG-Versicherten. Ohne Bundesregel hängt die Entwicklung von weiteren kommunalen und kantonalen Entscheiden ab.

    Quelle: BAFU (Feuerwerke und Umweltbelastung), Botschaft BBl 2024 2685 Ziff. 2.2 und 2.4 (fedpol-Statistik, Suva); Annahme: Fortschreibung der Werte 2010–2022, keine amtliche Prognose ↗
Kann man das später wieder ändern?
Verfassungsstufe · Volk und Stände

Ein Ja verankert das Verbot in der Bundesverfassung. Ändern oder streichen könnten es nur Volk und Stände: entweder über einen Bundesbeschluss des Parlaments mit obligatorischem Referendum oder über eine neue Volksinitiative (100'000 Unterschriften), beides mit Volks- und Ständemehr. Das Ausführungsgesetz selbst kann das Parlament später anpassen (fakultatives Referendum), aber nur im Rahmen von Art. 74a. Bei einem Nein bleibt die Kompetenz beim Parlament: Es könnte das Sprengstoffgesetz jederzeit mit einem neuen Vorstoss ändern (fakultatives Referendum), und eine neue Volksinitiative wäre möglich.

Was stattdessen zur Wahl stand
Indirekter Gegenvorschlag: Böllerverbot im Sprengstoffgesetz (Pa.Iv. 25.402 WBK-N)

Verbot pyrotechnischer Gegenstände, die ausschliesslich zur Knallerzeugung bestimmt sind (ausgenommen sehr geringe Gefahr und vernachlässigbarer Lärmpegel); Beschränkung der privaten Einfuhr von Kleinfeuerwerk auf 2,5 kg pro Tag und Person; Kantone hätten neu auch das Abbrennen zeitlich und örtlich beschränken oder verbieten können. Der Bundesrat hätte Details in einer Verordnung geregelt.

Ergebnis NR Gesamtabstimmung 11.12.2025 97:85 (7 Enthaltungen); SR 03.06.2026 zugestimmt; NR 09.06.2026 zugestimmt; Schlussabstimmung NR 19.06.2026 79:114 (6 Enthaltungen) → gescheitert. Das Initiativkomitee nannte ihn «Scheinkompromiss» und verzichtete auf den Rückzug.
Quelle: parlament.ch ↗
Ausweispflicht für das Abbrennen von Vergnügungsfeuerwerk

Im Rahmen des Gegenvorschlags diskutiert: Personen, die pyrotechnische Gegenstände zu Vergnügungszwecken verwenden, hätten einen Ausweis gebraucht.

Ergebnis Vom Parlament verworfen (NR 11.12.2025); es blieb bei der Ausweispflicht nur für industrielle, technische und landwirtschaftliche Pyrotechnik.
Quelle: parlament.ch ↗
Bundesrechtliches Verbot von Pyrotechnik in Innenräumen

Nach dem Brand von Crans-Montana prüfte die Ständeratskommission ein Verbot von Feuerwerkskörpern in öffentlich zugänglichen Innenräumen im Bundesrecht.

Ergebnis Nicht weiterverfolgt, weil am 1. April 2026 in allen Kantonen ein solches Verbot über die Brandschutzvorschriften in Kraft trat.
Quelle: parlament.ch ↗
Bundesrat: Ablehnung ohne Gegenentwurf und ohne Gegenvorschlag

Der Bundesrat verzichtete in der Botschaft vom 16. Oktober 2024 bewusst auf einen direkten Gegenentwurf und einen indirekten Gegenvorschlag, weil Kantone und Gemeinden bereits über die Rechtsgrundlagen verfügten.

Ergebnis Vom Parlament nicht übernommen; die Kommissionen erarbeiteten stattdessen den (später gescheiterten) indirekten Gegenvorschlag.
Quelle: parlament.ch ↗
Was offen bleibt

Es gibt keine amtliche Zahlenreihe für beide Fälle; was «Lärm» und «überregionale Bedeutung» bedeuten, entscheidet erst das Ausführungsgesetz, das bis spätestens 29. November 2028 in Kraft treten müsste.

Tendenz der Besucher:innen

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Diskussion

Spielregeln der Diskussion

Sachlich bleiben, Behauptungen möglichst mit Quelle stützen, keine Beleidigungen, keine Kampagnen-Parolen. Beiträge erscheinen nach der E-Mail-Bestätigung; die Redaktion kann Beiträge nachträglich entfernen. Ja- und Nein-Stimmen sind gleichermassen willkommen.

Text der Vorlage · im Wortlaut Neuer Art. 74a und Art. 197 Ziff. 15 BV (Bundesbeschluss vom 19. Juni 2026)

Abstimmungsfrage: «Wollen Sie die Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» annehmen?» — Amtlicher Wortlaut gemäss Bundesbeschluss (BBl 2026 1760). Die endgültige Ziffer der Übergangsbestimmung legt die Bundeskanzlei nach der Abstimmung fest. Abgedruckt im Abstimmungsbüchlein vom 12. Oktober 2026 (https://www.admin.ch/dam/de/sd-web/HXhFMFWOaa6u/BAR_Erlaeuterungen_Nov26_DE_v10.pdf).

Art. 74a Feuerwerk

1 Der Verkauf und die Verwendung von Feuerwerkskörpern, die Lärm erzeugen, sind verboten.

2 Für Anlässe von überregionaler Bedeutung kann die zuständige kantonale Behörde auf Gesuch hin Ausnahmebewilligungen erteilen.

3 Für den Vollzug der Vorschriften sind die Kantone zuständig, soweit das Gesetz ihn nicht dem Bund vorbehält.

Art. 197 Ziff. 15 Übergangsbestimmung zu Art. 74a

Die Ausführungsbestimmungen zu Artikel 74a treten spätestens zwei Jahre nach dessen Annahme durch Volk und Stände in Kraft.

Art. 2 des Bundesbeschlusses

Die Bundesversammlung empfiehlt Volk und Ständen, die Initiative abzulehnen.

Quelle: Fedlex — BBl 2026 1760 ↗
Umfragen · Stimmungsbild Keine Prognose — Institut, Feldzeit und Stichprobe beachten

Umfragen zeigen ein Stimmungsbild zum Befragungszeitpunkt, keine Prognose. Tamedia/LeeWas: Online-Befragung mit statistischer Gewichtung (Fehlerbereich ±1,6 Prozentpunkte). SRG/gfs.bern: telefonische und Online-Befragung, gewichtet (±2,8 Prozentpunkte). YouGov: Online-Panel, Werte aus einem statistischen Schätzmodell (MRP, ±1,8 Prozentpunkte). Die gfs.bern-Erhebung von Ende 2024 war keine Abstimmungsumfrage; gfs.bern rechnete damals mit der typischen Kampagnendynamik bei Volksinitiativen.

Institut Feldzeit Befragte Ja Nein Offen
gfs.bern (Cockpit) · Initiativkomitee / gfs.bern 29. Okt. – 7. Nov. 2024 1'003 68 % 28 % 4 %
LeeWas · Tamedia / 20 Minuten 7.–8. Okt. 2026 11'239 68 % 30 % 2 %
YouGov Schweiz · Eigenstudie 7.–19. Okt. 2026 2'949 62 % 33 % 6 %
gfs.bern · SRG SSR 5.–18. Okt. 2026 14'874 69 % 29 % 2 %

Angekündigt: Weitere Wellen von Tamedia/LeeWas und SRG/gfs.bern folgen im November.

Vertiefung · zum Aufklappen
Mythen-Check Häufige Missverständnisse, neutral geklärt

Beide Lager berufen sich auf dieselben amtlichen Zahlen und gewichten sie unterschiedlich. Vier Punkte.

Verbreitete Annahme«Feuerwerk ist ein grosses Feinstaubproblem» — oder «ein vernachlässigbares».
SachstandDas BAFU beziffert die Feinstaubemissionen (PM10) durch Feuerwerke auf 200 bis 400 Tonnen pro Jahr, rund 2 bis 3 Prozent der Jahresemissionen; der Tagesgrenzwert kann in der Nähe von Feuerwerken kurzzeitig überschritten werden. Befürworter betonen die Spitzenwerte, Gegner den geringen Jahresanteil — beide korrekt.
bafu.admin.ch
Verbreitete Annahme«Rund 230 Unfälle pro Jahr» — die ganze Zahl?
SachstandDie Suva registriert rund 230 Feuerwerksunfälle pro Jahr — aber nur bei UVG-versicherten Personen. Kinder, Nichterwerbstätige und Rentnerinnen fehlen; eine Gesamtzahl ist nicht bezifferbar.
suva.ch
Verbreitete Annahme«Die Initiative verbietet nur Böller.»
SachstandDas war der gescheiterte Gegenvorschlag. Der Initiativtext verbietet Feuerwerkskörper, «die Lärm erzeugen», ohne den Begriff zu definieren. Wie weit das Verbot reicht, entschiede erst das Ausführungsgesetz; der Bundesrat geht in der Botschaft davon aus, dass Feuerwerke mit grossen Buketts am Himmel nur noch an Anlässen von überregionaler Bedeutung möglich wären — die Lager beurteilen die Folgen für 1. August und Silvester gegensätzlich.
fedlex.admin.ch
Verbreitete Annahme«Bei einem Nein gilt wenigstens das Böllerverbot.»
SachstandNein. Weil der indirekte Gegenvorschlag am 19. Juni 2026 im Nationalrat scheiterte, tritt bei einem Nein auf Bundesebene nichts Neues in Kraft.
parlament.ch (Curia Vista 24.080)
Was noch offen ist Lücken im Material — sichtbar gemacht statt gefüllt
  • Alle grossen Parteien haben ihre Parolen gefasst. Die SP nennt das Beschlussgremium nicht; bei der Mitte ist das Sitzungsdatum der Konferenz der Kantonalparteipräsidien nicht publiziert. Stand: 25. Oktober 2026.
  • Das Nein-Komitee «Nein zum Feuerwerksverbot» (sgv, ProFeuerwerk, Jungfreisinnige u. a.) hat inzwischen eine eigene Website (nein-feuerwerksverbot.ch); die Contra-Argumente im Dossier stammen weiterhin aus der Medienmitteilung des sgv vom 06.10.2026 und dem Abstimmungsbüchlein.
  • Die Argumente beider Seiten wurden mit dem Abstimmungsbüchlein (S. 30–33) abgeglichen. Das Komitee verweist in seiner Kampagne auf eine gfs.bern-Befragung, deren Daten nicht öffentlich vorliegen.
  • Zur Branche nennt die Botschaft «gegen 200 Mitarbeitende» direkt bei Hersteller- und Importfirmen und einen Umsatz von 50–60 Mio. Fr. (SKF-Schätzung); Beschäftigte im Fachhandel und als Feuerwerker sind nicht bekannt.
Für Lehrpersonen · Lehrplanbezug
  • Sek I · Einstieg
    LP21 · RZG «Politik, Demokratie und Menschenrechte»: Wer darf eine Initiative lancieren? 15 Privatpersonen bringen eine Verfassungsänderung vors Volk. Föderalismus konkret: Wie regelt die eigene Gemeinde Feuerwerk?
  • Sek II / Gymi · BFS / ABU
    ABU/Sek II: doppeltes Mehr vs. Volksmehr (Vergleich mit der KMG-Vorlage am selben Sonntag); der indirekte Gegenvorschlag als Instrument und sein Scheitern an SVP und Grünen; dieselbe BAFU-Zahl in zwei Kampagnensätzen.

Quellen u. a.: Bundesrat — Erläuterungen zur Volksabstimmung vom 29. November 2026 (Abstimmungsbüchlein, PDF) · Fedlex — Bundesbeschluss über die Volksinitiative (BBl 2026 1760) · Parlament — Curia Vista, Geschäft 24.080 · Bundeskanzlei — Abstimmungsvorlagen für den 29. November 2026 · Bundeskanzlei — Volksinitiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» · Initiativkomitee — feuerwerksinitiative.ch · tierschutz-helfer.ch — Abstimmung 29. November 2026 · Verein ProFeuerwerk (Nein-Komitee) · Schweizerische Koordinationsstelle Feuerwerk SKF · SRF — Feuerwerksinitiative kommt zur Abstimmung, ohne Gegenvorschlag · BAFU — Feuerwerke und Umweltbelastung · Suva — Feuerwerksunfälle · gfs.bern — Cockpit Feuerwerksinitiative (2024) · FDP — Parolen · LeeWas / Tamedia — Abstimmungsumfrage Welle 1 (14.10.2026, PDF) · SVP — Medienmitteilung zur Delegiertenversammlung (17.10.2026) · Die Mitte — Nein zur Feuerwerksinitiative (22.10.2026) · GLP — Parolen für die Abstimmungen vom 29. November (24.10.2026) · Nein-Komitee — nein-feuerwerksverbot.ch · YouGov Schweiz — Stimmungsbarometer zum 29. November (20.10.2026) · gfs.bern — 1. SRG-Trendumfrage zum 29. November 2026 (23.10.2026)