Zum Text springen
Abstimmung für die ganze Schweiz
Infos in Leichter Sprache

Abstimmung am 29. November 2026

Faire Steuern für Ehe-Paare? (Ehe-Paar-Initiative)

Vorläufig Das Abstimmungs-Büchlein vom Bund gibt es noch nicht. Es kommt im Oktober 2026. Viele Parteien haben noch nicht gesagt, was sie empfehlen. Wir tragen das später nach. Stand: 08. September 2026
Für wen?

Lese-Stufe: Leicht

Abstimmung
29. November 2026
Art
Volks-Initiative · Volk und Kantone müssen Ja sagen
Unterschriften
101'382
Bundes-Rat und Parlament sagen
Nein

Quellen: Fedlex (Bundesbeschluss, Botschaft) · ESTV-Bericht vom 2.4.2026 · parlament.ch · Parteien — Abstimmungsbüchlein folgt

Worum geht es?

Ehe-Paare füllen heute eine Steuer-Erklärung zusammen aus. Ihre Löhne werden zusammen-gezählt. Darum zahlen manche Ehe-Paare mehr Steuern als ein Paar ohne Trauschein. Das nennt man «Heirats-Strafe». Die Initiative von der Mitte will: Ehe-Paare zahlen weiter zusammen. Aber nie mehr als ein Paar ohne Trauschein. Das Volk hat aber im März 2026 schon Ja gesagt zu einem anderen Weg: Jede Person macht ihre eigene Steuer-Erklärung. Das heisst Individual-Besteuerung. Darum sagen der Bundes-Rat und das Parlament Nein.

Die Initiative verlangt einen neuen Art. 128 Abs. 3bis BV: Das Einkommen eines Ehepaars wird zusammengerechnet; das Gesetz sorgt dafür, dass Ehepaare gegenüber anderen Steuerpflichtigen nicht benachteiligt werden. Setzt das Parlament dies nicht innert drei Jahren um, muss der Bundesrat per Verordnung eine alternative Steuerberechnung einführen: Ehepaare werden gemeinsam und zusätzlich nach Tarif und Abzügen für Unverheiratete veranlagt; der tiefere Betrag wird in Rechnung gestellt. Die Bestimmung betrifft nur die direkte Bundessteuer. Der Bundesrat schätzt die Mindereinnahmen auf 700 Mio. bis 1,4 Mrd. Franken pro Jahr (78,8 % Bund, 21,2 % Kantone). Er lehnt die Initiative ab, weil sie im Widerspruch zum Bundesgesetz über die Individualbesteuerung steht, das am 8. März 2026 mit 54,2 % angenommen wurde und spätestens 2032 in Kraft tritt. Nationalrat (99:92) und Ständerat (24:21) empfahlen knapp die Ablehnung, ohne Gegenentwurf. Es braucht Volks- und Ständemehr.

Wie kam es dazu?

Über die Heirats-Strafe streitet die Politik seit über 40 Jahren. 2016 gab es schon eine ähnliche Abstimmung. Das Volk sagte ganz knapp Nein. Das Bundes-Gericht hat diese Abstimmung später aufgehoben. Der Bundes-Rat hatte falsche Zahlen genannt. Danach wollte das Parlament die Individual-Besteuerung. Die Mitte machte 2022 ihre eigene Initiative. Im März 2026 sagte das Volk Ja zur Individual-Besteuerung. Die Mitte hat ihre Initiative trotzdem nicht zurück-gezogen.

Das Bundesgericht leitete 1984 (BGE 110 Ia 7) aus dem Rechtsgleichheitsgebot Vorgaben für die Belastung von Ehepaaren ab; seither wurden zahlreiche Modelle diskutiert und verworfen. Die CVP-Initiative «Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe» scheiterte am 28. Februar 2016 knapp; 2019 hob das Bundesgericht die Abstimmung wegen unzutreffender Angaben des Bundesrats zur Zahl der Betroffenen auf — erstmals in der Geschichte des Bundes —, worauf die CVP die Initiative zurückzog. Das Parlament verfolgte ab 2020 die Individualbesteuerung; die FDP-Frauen lancierten dazu die Steuergerechtigkeits-Initiative, der Bundesrat antwortete mit dem Bundesgesetz über die Individualbesteuerung als indirektem Gegenvorschlag. Die Mitte startete am 27. September 2022 ihre eigene Initiative und reichte sie am 27. März 2024 mit 101'382 Unterschriften ein. Am 8. März 2026 nahm das Volk die Individualbesteuerung mit 54,23 % an (Stimmbeteiligung 55,6 %); die Kantone gelten als Verlierer jener Abstimmung. Die Mitte hielt an ihrer Initiative fest, sodass nun beide Modelle nacheinander zur Abstimmung kommen. Die WAK-S liess von der ESTV klären, was bei einer Annahme beider Vorlagen gilt.

Bei einem Ja
Ehe-Paare zahlen weiter zusammen. Aber der Bund rechnet zweimal: als Ehe-Paar und wie für zwei Einzel-Personen. Der tiefere Betrag gilt. Das Parlament hat 3 Jahre Zeit für ein Gesetz. Der Bund verliert 700 Millionen bis 1,4 Milliarden Franken pro Jahr. Die Individual-Besteuerung bleibt trotzdem gültig. Ab 2032 gäbe es zwei Systeme. Das Parlament müsste das lösen.
Art. 128 Abs. 3bis BV tritt mit der Annahme in Kraft. Das Bundesgesetz über die Individualbesteuerung behält laut ESTV seine Gültigkeit und tritt spätestens am 1. Januar 2032 in Kraft; ab dann bestünde ohne Gesetzesanpassung ein Nebeneinander — alternative Steuerberechnung für Ehepaare beim Bund, Individualbesteuerung bei den Kantonen (StHG). Eine Individualbesteuerung bei der direkten Bundessteuer wäre ohne erneute Verfassungsänderung ausgeschlossen. Die Mindereinnahmen hängen vom Modell ab (Vollsplitting, Teilsplitting, alternative Steuerberechnung); der Bundesrat weist darauf hin, dass die Übergangsbestimmungen die Aufhebung von Verheirateten- und Zweiverdienerabzug nicht ausschliessen — für heute minderbelastete Ehepaare könnte das zu einer Steuererhöhung führen.
Bei einem Nein
Die Verfassung bleibt gleich. Die Individual-Besteuerung kommt wie beschlossen. Spätestens 2032 macht jede Person ihre eigene Steuer-Erklärung.
Art. 128 BV erhält keinen Absatz 3bis. Bund und Kantone stellen bis spätestens 1. Januar 2032 auf Individualbesteuerung um (Kinderabzug Bund 12'000 Franken, geschätzte Mindereinnahmen rund 630 Mio. Franken). Die von den Initianten geltend gemachte Mehrbelastung von Einverdienerpaaren gegenüber heute bliebe bestehen (Beispiel aus der Ständeratsdebatte: rund 2'500 Franken bei 150'000 Franken Einkommen); Kantone und Gemeinden müssten die von ihnen befürchteten Mindereinnahmen tragen.
Wer empfiehlt Ja oder Nein?
Ja
Die MitteEVPRegierungsrat Aargau
Nein
Bundesrat und ParlamentFDP

Noch keine Parole: SP · SVP · Grüne · GLP · EDU

So empfehlen die Parteien und der Bundesrat. Manche Parteien sagen es erst später. · Stand: 08. September 2026

Wie hat das Parlament gestimmt?
Nationalrat · Beratung September 2025 (Ja = Initiative empfehlen)
92 Ja
99 Nein
Ständerat · Beratung 4. Juni 2026
21 Ja
24 Nein
ZH Jedes Mitglied einzeln — mit Wappen und Resultat alle 246 ansehen
Die Waage: Was gewinnt man? Was gibt man auf?
Bei einem JA
+ Das gewinnt man
  • Ehe-Paare zahlen nie mehr als Unverheiratete
  • Eine Steuer-Erklärung pro Ehe-Paar
− Das gibt man auf
  • Der Trauschein spielt bei der Steuer wieder eine Rolle
  • Dem Bund fehlen 700 Millionen bis 1,4 Milliarden pro Jahr
Bei einem NEIN
+ Das gewinnt man
  • Ein System, wie im März 2026 beschlossen
  • Arbeiten lohnt sich mehr für die zweite Person
− Das gibt man auf
  • Paare mit nur einem Lohn können mehr zahlen als heute
  • Viele neue Steuer-Erklärungen

Jede Wahl hat einen Preis. Beide Seiten sind gleich gezeigt.

Gründe: dafür und dagegen

Dafür

Initiativ-Komitee (Text in der Botschaft vom Bundes-Rat)
Gerechtigkeit & Trauschein Alle Paare sollen gleich behandelt werden. Ehe-Paare zahlen nie mehr als Unverheiratete. Und sie machen weiter nur eine Steuer-Erklärung. Quelle: Initiativ-Komitee (Text in der Botschaft vom Bundes-Rat) ↗
Arbeit & Gleichstellung Heute lohnt es sich für viele Ehe-Paare nicht, wenn beide arbeiten. Der zweite Lohn geht fast ganz an den Staat. Die Initiative ändert das. Und sie bestraft Paare mit nur einem Lohn nicht. Quelle: Initiativ-Komitee (Text in der Botschaft vom Bundes-Rat) ↗
Geld für Bund & Kantone Die Individual-Besteuerung bringt 1,7 Millionen neue Steuer-Erklärungen. 21 Kantone waren dagegen. Die Initiative ist einfacher. Quelle: Die Mitte ↗
Verfahren & Umsetzung Das Volk wollte die Heirats-Strafe abschaffen. Nicht unbedingt die Individual-Besteuerung. Jetzt kann das Volk sagen, welche Lösung es lieber hat. Quelle: EVP-Präsidentin Lilian Studer ↗

Dagegen

Bundes-Rat / Mehrheit im Stände-Rat / SP
Gerechtigkeit & Trauschein Die Heirats-Strafe ist schon abgeschafft. Das Volk hat im März 2026 Ja gesagt zur Individual-Besteuerung. Mit der Initiative zahlen Paare ohne Trauschein wieder mehr. Quelle: Bundes-Rat / Mehrheit im Stände-Rat / SP ↗
Arbeit & Gleichstellung Wenn Ehe-Paare zusammen besteuert werden, lohnt sich Arbeiten für die zweite Person weniger. Das ist schlecht für die Gleichstellung von Frau und Mann. Quelle: Bundes-Rat ↗
Geld für Bund & Kantone Dem Bund fehlen 700 Millionen bis 1,4 Milliarden Franken pro Jahr. Davon profitieren vor allem reiche Haushalte. Bei den Kantonen bleibt die Heirats-Strafe. Quelle: Bundes-Rat / SP ↗
Verfahren & Umsetzung Ein Ja gibt einen Widerspruch in der Verfassung. Die Individual-Besteuerung beim Bund wäre dann verboten. Das Parlament müsste alles neu regeln. Quelle: Bundes-Rätin Karin Keller-Sutter / Steuer-Verwaltung ↗
Beispiele: Was wäre anders?

Wähle ein Beispiel. Du siehst: Wie ist es heute? Wie wäre es mit der neuen Regel?

So ist es heute

Zahlt oft mehr als ein Paar ohne Trauschein.

So wäre es mit der neuen Regel

Der Bund rechnet zweimal. Der tiefere Betrag gilt.

Der genaue Text der Vorlage Der neue Text in der Verfassung

Das ist der Original-Text. Er ist in schwerer Sprache. Wir haben ihn nicht verändert.

Art. 128 Abs. 3bis

3bis Das Einkommen eines Ehepaars wird zusammengerechnet. Das Gesetz sorgt dafür, dass Ehepaare gegenüber anderen Steuerpflichtigen nicht benachteiligt werden.

Art. 197 Ziff. 15 Übergangsbestimmungen zu Art. 128 Abs. 3bis (Nichtbenachteiligung von Ehepaaren bei der direkten Bundessteuer)

1 Treten die gesetzlichen Ausführungsbestimmungen zu Artikel 128 Absatz 3bis drei Jahre nach dessen Annahme durch Volk und Stände nicht in Kraft, so erlässt der Bundesrat auf diesen Zeitpunkt hin die erforderlichen Ausführungsbestimmungen auf dem Verordnungsweg; diese gelten bis zum Inkrafttreten der gesetzlichen Bestimmungen.

2 Zur Sicherstellung der Nichtbenachteiligung von Ehepaaren gegenüber anderen Steuerpflichtigen regelt der Bundesrat in der Verordnung, dass für Ehepaare: a. neben der gemeinsamen Besteuerung eine alternative Steuerberechnung anhand des Tarifs und der Abzüge für unverheiratete Personen gemäss der Gesetzgebung über die direkte Bundessteuer erfolgt; und b. der tiefere der beiden berechneten Steuerbeträge in Rechnung gestellt wird.

Art. 2 des Bundesbeschlusses

Die Bundesversammlung empfiehlt Volk und Ständen, die Initiative abzulehnen.

Quelle: Fedlex — BBl 2026 1758 (PDF) ↗
Umfragen Eine Umfrage ist keine Vorhersage.

Es gibt noch keine Umfrage zu dieser Vorlage.

Zu dieser Vorlage gibt es noch keine Umfrage.

Kommt noch: Erste Umfragen kommen ungefähr im Oktober 2026.

Mehr dazu · zum Aufklappen
Irrtümer aufklären Was viele falsch verstehen — klar erklärt

Zahlen, die nicht zusammen-passen. Und wer sie sagt.

Viele denken:«Die Initiative kostet 700 Millionen.» Oder: «Bis zu 3 Milliarden.»
Richtig ist:Der Bundes-Rat sagt: 700 Millionen bis 1,4 Milliarden pro Jahr. Die SP sagt: bis zu 3 Milliarden. Woher die SP-Zahl kommt, wissen wir nicht.
fedlex.admin.ch
Viele denken:«Alle Ehe-Paare zahlen eine Heirats-Strafe.»
Richtig ist:Nein. Ungefähr 670'000 Ehe-Paare zahlen mehr. Ungefähr 650'000 zahlen weniger.
fedlex.admin.ch
Viele denken:«Bei einem Ja ist die Individual-Besteuerung weg.»
Richtig ist:Nein. Das Gesetz bleibt gültig. Ab 2032 gäbe es zwei Systeme. Das Parlament müsste das lösen.
parlament.ch (ESTV)
Was wir noch nicht wissen Hier fehlen noch Infos. Wir tragen sie später nach.
  • Die Argumente vom Komitee konnten wir nur aus dem Text vom Bundes-Rat lesen. Die Website vom Komitee war nicht erreichbar.
  • Das Abstimmungs-Büchlein vom Bund gibt es noch nicht.
  • Die meisten Parteien haben noch keine Parole.
  • Es gibt noch keine Umfrage.
Für Lehr-Personen · Bezug zum Lehrplan
  • Sek I · Einstieg
    Zwei Wege zum gleichen Ziel. Rechne für drei Paare: nur ein Lohn, zwei gleiche Löhne, nicht verheiratet. Wer gewinnt?
  • Sek II / Gymi · BFS / ABU
    Was passiert, wenn zwei Abstimmungen sich widersprechen? Und: Warum hat das Bundes-Gericht 2019 eine Abstimmung aufgehoben?

Quellen: Fedlex — Bundesbeschluss vom 19.06.2026 (BBl 2026 1758, PDF) · Fedlex — Botschaft des Bundesrates vom 07.03.2025 (BBl 2025 1092, PDF) · ESTV — Bericht zum Verhältnis zur Individualbesteuerung (02.04.2026, PDF) · Parlament — Curia Vista, Geschäft 25.018 · EFD — Abstimmung Individualbesteuerung (08.03.2026) · ESTV — Themenseite zur Volksinitiative · Année politique suisse — Prozessdossier · nau.ch — Ständerat sagt Nein zur Mitte-Initiative (04.06.2026) · Die Mitte — Faire Steuern und Renten · EVP — Individualbesteuerung oder Fairness-Initiative · SP Schweiz — Die Individualbesteuerung hat die Heiratsstrafe bereits abgeschafft (04.06.2026) · FDP — Parolen · SRF — Ja zur Individualbesteuerung, aber noch gibt die Mitte nicht auf (08.03.2026) · aargauerpolitik.ch — Empfehlungen des Regierungsrats