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Eine Abstimmung in der Schweiz
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Abstimmung am 27. September 2026

Soll die Schweiz immer neutral sein? (Neutralitäts-Initiative)

Für wen?

Lese-Stufe: Leicht

Abstimmung
27.09.2026
Art
Volks-Initiative
Unterschriften
129'806
Der Bundesrat sagt
Nein

Quellen: admin.ch · parlament.ch · swissinfo.ch

Worum geht es?

Neutral sein heisst: Die Schweiz hilft in einem Krieg keiner Seite. Die Initiative will: Diese Regel kommt fest in die Verfassung. Die Verfassung ist das wichtigste Gesetz der Schweiz. Die Schweiz soll für immer neutral bleiben. Die Schweiz soll aber eine eigene Armee haben. Es gibt zwei neue Regeln. Regel 1: Die Schweiz darf keinem Militär-Bündnis beitreten. Ein Militär-Bündnis ist eine Gruppe von Ländern. Diese Länder helfen sich im Krieg mit Waffen. Regel 2: Die Schweiz darf keine eigenen Sanktionen mehr machen. Sanktionen sind Straf-Massnahmen gegen ein Land. Zum Beispiel: ein Verbot für Handel. Nur Sanktionen von der UNO sind noch erlaubt. In der UNO arbeiten fast alle Länder der Welt zusammen.

Die Initiative will einen neuen Teil in der Verfassung. Der Teil heisst: Artikel 54a. Dort soll stehen: Die Schweiz ist immer neutral. Und die Schweiz hat eine Armee. Die Schweiz darf dann keinem Militär-Bündnis beitreten. Eine Ausnahme gibt es: wenn jemand die Schweiz angreift. Die Schweiz darf auch keine eigenen Sanktionen mehr machen. Nur die Sanktionen von der UNO sind erlaubt. Die Leute für die Initiative haben Unterschriften gesammelt. Sie haben über 129'000 Unterschriften abgegeben. Das war im April 2024.

Wie kam es dazu?

Im Jahr 2022 hat Russland die Ukraine angegriffen. Seitdem fragt sich die Schweiz: Wie neutral soll sie sein? Zum Beispiel: Macht die Schweiz bei Sanktionen mit? Und wie eng arbeitet sie mit anderen Ländern zusammen?

Im Jahr 2022 hat Russland die Ukraine angegriffen. Viele Länder in Europa haben dann Sanktionen gegen Russland gemacht. Die Schweiz hat bei den meisten Sanktionen mitgemacht. Danach gab es einen Streit: Ist das noch neutral? Eine Gruppe will: Die Neutralität soll genau in der Verfassung stehen. Die Gruppe heisst «Pro Schweiz». Der Bundesrat ist dagegen. Das Parlament ist auch dagegen. Sie sagen: Die Schweiz soll flexibel bleiben.

Bei einem Ja
Die Neutralität steht dann genau in der Verfassung. Die Schweiz darf keine eigenen Sanktionen mehr machen. Sie darf nur Sanktionen von der UNO mittragen. Und sie darf keinem Militär-Bündnis beitreten.
Ein neuer Artikel 54a kommt in die Verfassung. Dort steht: Die Schweiz ist immer neutral und hat eine Armee. Die Schweiz darf keine eigenen Sanktionen gegen Kriegs-Länder mehr machen. Nur Sanktionen von der UNO sind erlaubt. Die Schweiz darf keinem Militär-Bündnis beitreten. Eine Ausnahme: wenn jemand die Schweiz angreift. Manche Zusammen-Arbeit mit der NATO muss man vielleicht neu prüfen.
Bei einem Nein
Es bleibt so wie heute. Die Schweiz entscheidet selbst: Wie neutral ist sie? Der Bundesrat und das Parlament entscheiden von Fall zu Fall.
Die Verfassung bleibt gleich. Die Neutralität ist Sache vom Bundesrat und vom Parlament. Sie können die Neutralität an die Lage anpassen. Die Schweiz darf weiter eigene Sanktionen machen. Und sie darf mit anderen Ländern für die Sicherheit zusammenarbeiten.
Wer empfiehlt Ja oder Nein?
Ja
SVP
Nein
Bundesrat und ParlamentSPFDPDie MitteGrüne

Das ist das Verhalten im Parlament. Die Parteien sagen später noch mehr dazu.

Wie hat das Parlament gestimmt?
Nationalrat · Schlussabstimmung zur Initiative
60 Ja
128 Nein
Ständerat

Empfehlung Nein. Initiative abgelehnt; Gegenvorschlag definitiv vom Tisch (Einigungskonferenz: Ständerat 29:11, 4 Enthaltungen).

ZH Jedes Mitglied einzeln — mit Wappen und Resultat alle 246 ansehen
Die Waage: Was gewinnt man? Was gibt man auf?
Bei einem JA
+ Das gewinnt man
  • Klare Regeln: Alle wissen, was gilt
  • Die Neutralität ändert sich nicht mehr
− Das gibt man auf
  • Weniger frei in der Aussen-Politik
  • Keine eigenen Sanktionen mehr (nur UNO)
Bei einem NEIN
+ Das gewinnt man
  • Die Schweiz kann flexibel reagieren
  • Bundesrat und Parlament haben Spielraum
− Das gibt man auf
  • Die Neutralität steht nicht fest in der Verfassung
  • Keine klare, feste Grenze

Jede Wahl hat einen Preis. Beide Seiten sind gleich gezeigt.

Gründe: dafür und dagegen

Dafür

Initiativkomitee «Neutralität JA» / Verein Pro Schweiz
Recht und Selbst-Bestimmung Klare Regeln schützen die Schweiz. Dann kann die Politik die Neutralität nicht einfach ändern. Quelle: Initiativkomitee «Neutralität JA» / Verein Pro Schweiz ↗
Vertrauen und Vermittlung Die Neutralität hat die Schweiz lange aus Kriegen herausgehalten. Andere Länder vertrauen der Schweiz. Darum kann die Schweiz oft vermitteln. Quelle: Verein Pro Schweiz / Initiativkomitee ↗
Vertrauen und Vermittlung Eigene Sanktionen sind fast wie ein Mitmachen im Streit. Nur eine strenge Neutralität bleibt wirklich neutral. Quelle: Initiativkomitee «Neutralität JA» ↗

Dagegen

Bundesrat (Botschaft) / Mehrheit des Parlaments
Recht und Selbst-Bestimmung Eine feste Regel nimmt dem Bundesrat die Freiheit. Er kann dann nicht mehr schnell auf eine neue Lage reagieren. Quelle: Bundesrat (Botschaft) / Mehrheit des Parlaments ↗
Wirtschaft und Sanktionen Eigene Sanktionen wie gegen Russland wären dann nicht mehr möglich. Die UNO ist oft blockiert. Dann gibt es gar keine Sanktionen. Quelle: Bundesrat / Parlamentsmehrheit ↗
Sicherheit und Zusammen-Arbeit Die Schweiz arbeitet mit der NATO für die Sicherheit zusammen. Diese Zusammen-Arbeit könnte schwieriger werden. Quelle: Bundesrat / Europäische Bewegung Schweiz ↗
Beispiele: Was wäre anders?

Wähle ein Beispiel. Du siehst: Wie ist es heute? Wie wäre es mit der neuen Regel?

So ist es heute

Die Schweiz hat die Sanktionen der EU gegen Russland übernommen.

So wäre es mit der neuen Regel

Eigene Sanktionen wären verboten. Nur Sanktionen von der UNO wären erlaubt.

Mehr dazu · zum Aufklappen
Neutralität im Vergleich Andere Länder: Österreich, Irland, Schweden

Neutralität ist nicht in jedem Land gleich. Und sie kann sich ändern. Hier sind andere Länder in Europa. Wir vergleichen sie mit der Schweiz.

Schweiz Referenz
Die Schweiz ist immer neutral. Sie hat aber eine eigene Armee. Das gilt seit dem Jahr 1815.
Die Schweiz ist nicht in der NATO. Sie ist auch nicht in der EU. Die NATO ist ein Militär-Bündnis von vielen Ländern. Seit 1996 arbeitet die Schweiz mit der NATO zusammen.
Seit 1815 macht die Schweiz bei keinem fremden Krieg mit. Sie arbeitet mit der NATO. Aber sie muss der NATO im Krieg nicht helfen.
eda.admin.ch
Österreich
Österreich ist auch immer neutral. Das steht seit dem Jahr 1955 in einem Gesetz.
Österreich ist nicht in der NATO. Aber Österreich ist in der EU. Das ist es seit 1995.
Im Jahr 1955 musste Österreich neutral werden. Nur so durften fremde Soldaten das Land verlassen. Und Österreich wurde wieder frei.
parlament.gv.at
Irland
Irland ist auch neutral beim Militär. Das ist aber kein Gesetz. Es ist nur die Politik von Irland.
Irland ist nicht in der NATO. Aber Irland ist in der EU. Seit 1999 arbeitet Irland mit der NATO zusammen.
Irland schickt nur selten Soldaten ins Ausland. Drei Stellen müssen vorher Ja sagen: die UNO, die Regierung und das Parlament. Gerade wird über eine Änderung gesprochen.
ireland.ie
Schweden
Schweden war über 200 Jahre in keinem Militär-Bündnis. Im Jahr 2024 hat sich das geändert.
Schweden ist seit dem 7. März 2024 in der NATO. Schweden ist auch in der EU.
Im Jahr 2022 hat Russland die Ukraine angegriffen. Danach hatte Schweden Angst. Darum ging Schweden in die NATO.
nato.int
Finnland
Finnland war auch lange in keinem Militär-Bündnis. Auch das hat sich geändert.
Finnland ist seit dem 4. April 2023 in der NATO. Finnland ist auch in der EU.
Finnland liegt direkt neben Russland. Nach dem Krieg in der Ukraine ging Finnland im Jahr 2023 in die NATO.
nato.int

Man sieht drei Wege. Weg 1: neutral und in keinem Bündnis — wie die Schweiz. Weg 2: neutral und trotzdem in der EU — wie Österreich und Irland. Weg 3: erst kein Bündnis, dann doch in die NATO — wie Schweden und Finnland nach 2022.

Die Geschichte der Neutralität Von 1815 bis zur Abstimmung 2026

Die Regeln für die Neutralität sind seit über 200 Jahren fast gleich. Aber die Schweiz hat die Neutralität immer wieder neu ausgelegt. Das heisst: Sie hat sie an die Zeit angepasst.

  1. 1815
    Andere Länder erkennen die Neutralität an Im Jahr 1815 treffen sich die grossen Länder von Europa. Sie sagen: Die Schweiz ist für immer neutral. Und sie versprechen: Das soll so bleiben. hls-dhs-dss.ch
  2. 1907
    Regeln für neutrale Länder Im Jahr 1907 schreiben viele Länder Regeln auf. Die Regeln sagen: Was darf ein neutrales Land im Krieg? Was muss es tun? eda.admin.ch
  3. 1920
    Die Schweiz tritt dem Völkerbund bei Der Völkerbund war eine Gruppe von vielen Ländern. Sie wollten den Frieden sichern. Die Schweiz macht mit. Sie macht bei wirtschaftlichen Sanktionen mit. Bei militärischen Sanktionen macht sie nicht mit. bpb.de
  4. 1938
    Die Schweiz wird wieder ganz neutral Ab dem Jahr 1938 muss die Schweiz auch bei wirtschaftlichen Sanktionen nicht mehr mitmachen. So ist sie wieder ganz neutral. bpb.de
  5. 2002
    Die Schweiz kommt in die UNO Im Jahr 2002 stimmt das Volk Ja. Die Schweiz kommt in die UNO. In der UNO arbeiten fast alle Länder der Welt zusammen. Die Schweiz bleibt trotzdem neutral. swissinfo.ch
  6. 2014
    Streit um die Krim Im Jahr 2014 nimmt Russland einen Teil der Ukraine. Der Teil heisst Krim. Die EU macht Sanktionen gegen Russland. Die Schweiz macht nicht alle mit. Aber sie passt auf: Russland soll die Sanktionen nicht über die Schweiz umgehen. seco.admin.ch
  7. 2022
    Krieg in der Ukraine Im Jahr 2022 greift Russland die Ukraine an. Jetzt übernimmt die Schweiz die Sanktionen der EU. Die Regierung sagt: Die Schweiz bleibt trotzdem neutral. eda.admin.ch
  8. 11.4.2024
    Die Initiative wird abgegeben Im April 2024 wird die Neutralitäts-Initiative abgegeben. Mehr als 129'000 Menschen haben unterschrieben. bk.admin.ch
  9. 27.9.2026
    Das Volk stimmt ab Am 27. September 2026 stimmt das Volk ab. Auch die Kantone stimmen ab. Sie entscheiden über die Initiative. admin.ch
Irrtümer aufklären Was viele falsch verstehen — klar erklärt

Über die Neutralität gibt es viele Irrtümer. Hier sind sieben davon. Wir erklären, was wirklich stimmt.

Viele denken:Die Schweiz ist seit 1815 immer gleich neutral.
Richtig ist:Die Regeln sind fast gleich geblieben. Aber die Schweiz hat die Neutralität immer wieder neu ausgelegt. Mal mehr streng, mal weniger streng.
eda.admin.ch
Viele denken:Die Neutralität steht als wichtiges Prinzip in der Verfassung.
Richtig ist:In der Verfassung steht nur: Die Regierung und das Parlament sollen die Neutralität wahren. Es steht nicht genau, was Neutralität bedeutet. Die Initiative will das ändern. Sie will einen langen Artikel über die Neutralität einfügen.
admin.ch (BV Art. 173/185)
Viele denken:Wirtschaftliche Sanktionen verletzen die Neutralität.
Richtig ist:Die Regeln für die Neutralität verbieten Sanktionen nicht. Die Regeln gehen vor allem um Waffen und Soldaten. Ob Sanktionen gut sind, ist eine Frage der Politik. Genau darüber wird bei der Abstimmung gestritten.
eda.admin.ch (Neutralitätsbericht 2022)
Viele denken:Neutral sein heisst: Man wehrt sich nicht.
Richtig ist:Das stimmt nicht. Die Schweiz hat eine eigene Armee. Ein neutrales Land darf sich wehren. Es darf sein Land verteidigen. Es macht nur bei fremden Kriegen nicht mit.
eda.admin.ch
Viele denken:Die Schweiz ist in der UNO und arbeitet mit der NATO. Also ist sie nicht mehr neutral.
Richtig ist:Die Schweiz ist seit 2002 in der UNO. Und sie arbeitet seit 1996 mit der NATO. Aber sie muss im Krieg niemandem helfen. Die Schweiz will nicht in die NATO eintreten. Das ist kein Thema.
eda.admin.ch
Viele denken:Bei einem Ja sind alle alten Sanktionen sofort weg.
Richtig ist:So einfach ist es nicht. Die neue Regel gilt sofort. Aber im Text steht nicht: Was passiert mit den alten Sanktionen? Das müssen Regierung und Parlament klären. Erlaubt bleibt: Die Schweiz hält ihre Pflichten gegenüber der UNO ein. Und sie darf verhindern, dass jemand fremde Sanktionen über die Schweiz umgeht.
bk.admin.ch (Initiativ-Text)
Viele denken:Bei einem Ja darf die Schweiz nicht mehr vermitteln und helfen.
Richtig ist:Das stimmt nicht. Im Text steht sogar: Die Schweiz soll bei Streit zwischen Ländern vermitteln. Sie soll helfen, Streit zu lösen. Offen ist eine andere Frage: Finden andere Länder die Schweiz dann noch glaubwürdig? Darüber streiten die beiden Seiten.
bk.admin.ch (Initiativ-Text)
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