Zum Text springen
Abstimmung für die ganze Schweiz
Infos in Leichter Sprache

Abstimmung am 27. September 2026

Die Ernährungs-Initiative

Für wen?

Lese-Stufe: Leicht

Abstimmung
27. September 2026
Art
Volks-Initiative · Volk und Kantone müssen Ja sagen
Eingereicht
16. August 2024
Parlament sagt
Nein — niemand hat Ja gesagt

Quellen: Abstimmungsbüchlein (Bundeskanzlei, Redaktionsschluss 19.06.2026) · parlament.ch · BLW/Agrarbericht · Parteien und Verbände · gfs.bern / LeeWas / YouGov

Worum geht es?

Selbst-Versorgung heisst: Wie viel von unserem Essen die Schweiz selbst macht. Heute sind das ungefähr 45 von 100 Teilen. Die Initiative will: Es sollen mindestens 70 von 100 Teilen werden. Und das in 10 Jahren. Dafür sollen die Bauern mehr Pflanzen für Menschen anbauen. Und weniger Tiere halten. Auch das Trink-Wasser, die Natur und der Boden sollen besser geschützt werden. Der Bundes-Rat und das Parlament sagen Nein. Abgestimmt wird am 27. September 2026.

Selbst-Versorgung heisst: Wie viel von unserem Essen die Schweiz selbst macht. Heute sind das ungefähr 45 von 100 Teilen. Die Initiative will: Es sollen mindestens 70 von 100 Teilen werden. Und das in 10 Jahren. Dafür sollen die Bauern mehr Pflanzen für Menschen anbauen. Und weniger Tiere halten. Auch das Trink-Wasser, die Natur und der Boden sollen besser geschützt werden. Der Bundes-Rat und das Parlament sagen Nein. Abgestimmt wird am 27. September 2026.

Wie kam es dazu?

Die Initiative kommt von Franziska Herren. Sie hat einen Verein für sauberes Wasser. Sie hat schon im Jahr 2021 eine Abstimmung über Wasser gemacht. Damals sagte das Volk Nein. Der Bundes-Rat und das Parlament finden das Ziel gut. Aber sie sagen: In so kurzer Zeit geht das nicht. Darum sagen sie Nein. Im Parlament hat niemand Ja gesagt. Das ist sehr selten.

Die Initiative kommt von Franziska Herren. Sie hat einen Verein für sauberes Wasser. Sie hat schon im Jahr 2021 eine Abstimmung über Wasser gemacht. Damals sagte das Volk Nein. Der Bundes-Rat und das Parlament finden das Ziel gut. Aber sie sagen: In so kurzer Zeit geht das nicht. Darum sagen sie Nein. Im Parlament hat niemand Ja gesagt. Das ist sehr selten.

Bei einem Ja
In der Verfassung steht neu ein Ziel: Die Schweiz soll mindestens 70 von 100 Teilen von ihrem Essen selbst machen. Mit mehr Pflanzen. Und mit Schutz von Wasser, Natur und Boden. Der Bund und die Kantone müssen das in 10 Jahren schaffen.
In der Verfassung steht neu ein Ziel: Die Schweiz soll mindestens 70 von 100 Teilen von ihrem Essen selbst machen. Mit mehr Pflanzen. Und mit Schutz von Wasser, Natur und Boden. Der Bund und die Kantone müssen das in 10 Jahren schaffen.
Bei einem Nein
Es kommt kein neues Ziel in die Verfassung. Die Landwirtschaft bleibt wie heute. Der Bundes-Rat will einzelne Anliegen später aufnehmen. Zum Beispiel: mehr sichere Ernährung.
Es kommt kein neues Ziel in die Verfassung. Die Landwirtschaft bleibt wie heute. Der Bundes-Rat will einzelne Anliegen später aufnehmen. Zum Beispiel: mehr sichere Ernährung.
Wer empfiehlt Ja oder Nein?
Ja
Verein «Sauberes Wasser für alle»
Nein
Bundesrat und ParlamentSVPSPFDPDie MitteGLPEVPEDUSchweizer BauernverbandGewerbeverband sgveconomiesuissePro Natura
Keine Empfehlung
GrüneGreenpeace

So empfehlen die Parteien und der Bundesrat. Manche Parteien sagen es erst später. · Stand: 08. September 2026

Wie hat das Parlament gestimmt?
Nationalrat · Schlussabstimmung 20.03.2026
0 Ja
194 Nein

0 Enthaltungen

Ständerat · Schlussabstimmung 20.03.2026
0 Ja
44 Nein

0 Enthaltungen

ZH Jedes Mitglied einzeln — mit Wappen und Resultat alle 246 ansehen
Die Waage: Was gewinnt man? Was gibt man auf?
Bei einem JA
+ Das gewinnt man
  • Es gibt ein festes Ziel für mehr Selbst-Versorgung.
  • Wasser, Boden und Natur werden besser geschützt.
  • Die Bauern bauen mehr Pflanzen für Menschen an.
− Das gibt man auf
  • Die kurze Zeit braucht viele Regeln vom Staat.
  • Die Bauern müssen schnell umstellen.
Bei einem NEIN
+ Das gewinnt man
  • Es gibt kein festes Ziel mit 10-Jahres-Frist.
  • Die Landwirtschaft-Politik bleibt frei.
− Das gibt man auf
  • Die Ziele stehen nicht in der Verfassung.
  • Verbesserungen hängen von der Politik ab.

Jede Wahl hat einen Preis. Beide Seiten sind gleich gezeigt.

Gründe: dafür und dagegen

Dafür

Initiativ-Komitee (Text im Abstimmungs-Büchlein)
Versorgung & Sicherheit Mehr als die Hälfte von unserem Essen kommt aus dem Ausland. In einer Krise ist das gefährlich. Die Schweiz soll mehr selbst machen. Quelle: Initiativ-Komitee (Text im Abstimmungs-Büchlein) ↗
Umwelt & Wasser Zu viel Dünger macht den Boden und das Wasser kaputt. Es gibt Regeln dagegen. Aber sie werden nicht eingehalten. Die Initiative macht die Regeln zur Pflicht. Quelle: Initiativ-Komitee (Text im Abstimmungs-Büchlein) ↗
Essen & Einkauf Auf dem Acker-Land soll Essen für Menschen wachsen. Nicht Mais für Tiere. Die Wiesen bleiben für die Tiere. Quelle: Initiativ-Komitee (Text im Abstimmungs-Büchlein) ↗
Wirtschaft & Bauern-Höfe Der Bund zahlt den Bauern viel Geld. Dieses Geld soll für sicheres Essen und sauberes Wasser eingesetzt werden. Der Bund hilft den Bauern beim Umbau. Quelle: Initiativ-Komitee (Text im Abstimmungs-Büchlein) ↗

Dagegen

Bundes-Rat und Parlament (Text im Abstimmungs-Büchlein)
Versorgung & Sicherheit 70 von 100 Teilen in 10 Jahren: Das geht fast nicht. Der Staat müsste sehr stark eingreifen. Bei den Bauern und beim Essen von allen. Quelle: Bundes-Rat und Parlament (Text im Abstimmungs-Büchlein) ↗
Umwelt & Wasser Die Richtung ist gut. Aber die Initiative will zu viel in zu kurzer Zeit. Der Bundes-Rat will die Landwirtschaft Schritt für Schritt ändern. Quelle: Bundes-Rat und Parlament (Text im Abstimmungs-Büchlein) ↗
Essen & Einkauf Die Menschen müssten viel weniger Fleisch, Milch und Eier essen. Wenn sie das nicht tun, kommt das Fleisch aus dem Ausland. Dann ist das Problem für die Umwelt nur woanders. Quelle: Bundes-Rat und Parlament (Text im Abstimmungs-Büchlein) ↗
Wirtschaft & Bauern-Höfe Viel Land in der Schweiz ist nur Wiese. Dort kann man kein Gemüse anbauen. Die Bauern haben Ställe gebaut. Die können sie nicht so schnell abzahlen. Das kostet den Bund viel Geld. Und das Essen wird teurer. Quelle: Nein-Komitee (Bauern-Verband und Wirtschaft) / Bundes-Rat ↗
Beispiele: Was wäre anders?

Wähle ein Beispiel. Du siehst: Wie ist es heute? Wie wäre es mit der neuen Regel?

So ist es heute

Heute macht die Schweiz ungefähr 45 von 100 Teilen von ihrem Essen selbst.

So wäre es mit der neuen Regel

Der Bund muss versuchen: mindestens 70 von 100 Teilen. In 10 Jahren.

Der genaue Text der Vorlage Der neue Text in der Verfassung

Das ist der Original-Text. Er ist in schwerer Sprache. Wir haben ihn nicht verändert. Die Erklärung in Leichter Sprache steht oben bei «Worum geht es?».

Art. 74a Erhaltung der Ökosysteme und der Biodiversität

1 Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Erhaltung der Ökosysteme und der Biodiversität.

2 Der Bund lässt namentlich nicht mehr zu, dass die für die Gewässerqualität, die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität essenziellen, im Jahr 2008 vom Bundesamt für Landwirtschaft und vom Bundesamt für Umwelt als Umweltziele für die Landwirtschaft definierten Höchstwerte für Stickstoffverbindungen und Phosphor überschritten werden.

Art. 104a Abs. 1 Einleitungssatz und Bst. a, abis und c sowie Abs. 2 und 3

1 Zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln einschliesslich sauberen Trinkwassers schafft der Bund Voraussetzungen für: a. die Sicherung der Grundlagen für die landwirtschaftliche Produktion, insbesondere des Kulturlandes, der Biodiversität und der Bodenfruchtbarkeit sowie die Förderung von natürlichem, samenfestem Saat- und Pflanzgut; abis. die Sicherung der Grundwasserressourcen für die nachhaltige Trinkwassergewinnung; c. eine auf den Markt ausgerichtete und zugleich nachhaltige, klimabewusste Land- und Ernährungswirtschaft;

2 Der Bund strebt einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent an. Zu diesem Zweck trifft er insbesondere Massnahmen zur Förderung einer vermehrt auf pflanzlichen Lebensmitteln basierenden Ernährungsweise und einer darauf ausgerichteten Land- und Ernährungswirtschaft.

3 Bund und Kantone richten ihre Subventionen, die Förderung von Forschung, Beratung und Ausbildung sowie andere staatliche Anreize so aus, dass sie den Bestimmungen nach den Absätzen 1 und 2 nicht zuwiderlaufen.

Art. 197 Ziff. 15 Übergangsbestimmungen

1 Bund und Kantone erlassen ihre Ausführungsbestimmungen zu den Artikeln 74a und 104a Absatz 1 Einleitungssatz und Buchstaben a, abis und c sowie Absätze 2 und 3 innert fünf Jahren nach deren Annahme durch Volk und Stände.

2 Die Ausführungsgesetzgebung des Bundes regelt namentlich die Instrumente, die es ermöglichen, die neuen Vorgaben […] innert zehn Jahren nach deren Annahme zu erfüllen. Bezüglich des angestrebten Netto-Selbstversorgungsgrades legt das Gesetz auch Zwischenziele fest.

3 Die nötigen Anpassungen der landwirtschaftlichen Produktion sind sozialverträglich auszugestalten und werden vom Bund finanziell unterstützt.

Art. 2 des Bundesbeschlusses

Die Bundesversammlung empfiehlt Volk und Ständen, die Initiative abzulehnen.

Quelle: Fedlex (Bundes-Beschluss) ↗
Umfragen Eine Umfrage ist keine Vorhersage.

Die Umfragen sind sehr verschieden. Bei der SRG ist es fast gleich viel Ja und Nein. Bei Tamedia ist es klar Nein. Das kommt von der Methode. Viele Leute wussten im August noch nicht, was sie stimmen.

Wer hat gefragt? Wann? Wie viele? Ja Nein Unsicher
gfs.bern (1. SRG-Trendumfrage) · SRG SSR 3.–16. August 2026 17'212 47 % 49 % 4 %
LeeWas (1. Welle) · Tamedia / 20 Minuten 12.–13. August 2026 13'154 31 % 65 % 4 %
YouGov Schweiz (2. Welle) · YouGov 3.–17. August 2026 3'080 37 % 52 % 11 %

Kommt noch: Am 16. September 2026 kommt eine neue SRG-Umfrage. Wir tragen sie dann ein.

Mehr dazu · zum Aufklappen
Die Geschichte der Neutralität Von 1815 bis zur Abstimmung 2026

Drei Abstimmungen über die Landwirtschaft in neun Jahren.

  1. 2017
    Sichere Ernährung in die Verfassung Das Volk sagt mit 78,7 von 100 Stimmen Ja. Das ist der heutige Artikel 104a. srf.ch
  2. 2021
    Trink-Wasser-Initiative und Pestizid-Initiative Beide Initiativen verlieren klar. Nur 39 von 100 sagen Ja. swissvotes.ch
  3. 2024
    Ernährungs-Initiative eingereicht Der Verein «Sauberes Wasser für alle» gibt 112'736 gültige Unterschriften ab. swissinfo.ch
  4. 2026
    Parlament sagt Nein Im National-Rat und im Stände-Rat sagt niemand Ja. 194 zu 0 und 44 zu 0. parlament.ch
Irrtümer aufklären Was viele falsch verstehen — klar erklärt

Beide Seiten nennen richtige Zahlen. Aber die Zahlen bedeuten verschiedene Dinge. Hier sind fünf Beispiele.

Viele denken:«Die Schweiz macht nur 42 von 100 Teilen selbst.» Oder: «Es sind 50 von 100.»
Richtig ist:Beide Zahlen stimmen. Brutto sind es ungefähr 50. Netto sind es 42 bis 46. Netto heisst: Man zieht das Essen ab, das nur mit Futter aus dem Ausland gemacht wird.
agrarbericht.ch
Viele denken:«60 von 100 Teilen der Fläche.» Diese Zahl gibt es zweimal.
Richtig ist:Das Komitee sagt: Auf 60 von 100 Teilen vom Acker-Land wächst Futter. Der Bundes-Rat sagt: 60 von 100 Teilen vom ganzen Land sind Wiesen. Dort geht kein Acker-Bau. Beide Zahlen meinen etwas anderes.
Abstimmungs-Büchlein
Viele denken:«75 von 100 Teilen vom Geld für die Bauern gehen an die Tier-Haltung.»
Richtig ist:Diese Zahl hat das Komitee selbst ausgerechnet. Der Bund rechnet das Geld anders zusammen. Darum ist die Zahl umstritten.
data.blw.admin.ch
Viele denken:«Die Hälfte aller Tiere müsste weg.»
Richtig ist:Das sagt Bundes-Rat Parmelin. Es ist eine Schätzung. In der Initiative steht keine Zahl zu den Tieren.
srf.ch
Viele denken:«Die Selbst-Versorgung zeigt, ob wir in einer Krise genug Essen haben.»
Richtig ist:Die Zahl ist wichtig. Aber sie sagt nicht alles. Zum Beispiel: Dünger und Saatgut kommen auch aus dem Ausland. Das ist in der Zahl nicht drin.
bauernzeitung.ch
Was wir noch nicht wissen Hier fehlen noch Infos. Wir tragen sie später nach.
  • Die Zahl «75 von 100 Teilen vom Geld gehen an die Tier-Haltung» hat das Komitee ausgerechnet. Der Bund hat keine solche Zahl.
  • Wir wissen nicht genau, wann die Partei «Die Mitte» ihre Parole gefasst hat.
  • Der Bund sagt nicht genau, wie viel die Initiative kosten würde.
  • Am 16. September 2026 kommt eine neue Umfrage. Die haben wir noch nicht.
Für Lehr-Personen · Bezug zum Lehrplan
  • Sek I · Einstieg
    Politische Bildung: Wie funktioniert eine Volks-Initiative? Essen und Landwirtschaft als Beispiel.
  • Sek II / Gymi · BFS / ABU
    ABU / Sek II: Landwirtschaft, Umwelt und Wirtschaft. Wie bildet man sich eine eigene Meinung?

Quellen: Bundeskanzlei — Erläuterungen des Bundesrates zum 27.09.2026 (Abstimmungsbüchlein, PDF) · Fedlex — Bundesbeschluss über die Volksinitiative (BBl 2026 800) · Parlament — Curia Vista, Geschäft 25.067 · Bundesrat — Botschaft: Empfehlung zur Ablehnung (13.08.2025) · BLW — Ernährungsinitiative · BLW — Agrarbericht 2025: Selbstversorgungsgrad · Parlamentsdienste — Ernährungsinitiative bleibt im Parlament chancenlos (17.03.2026) · Initiativkomitee — Für eine sichere Ernährung · Nein-Komitee — ernaehrungsinitiative-nein.ch · LID — Breites Nein-Komitee warnt vor Ernährungsinitiative · watson — Umweltverbände distanzieren sich · GRÜNE — Abstimmungen 27. September 2026 (Stimmfreigabe) · SVP — Delegiertenversammlung 22.08.2026 · SP — Nein zur Ernährungsinitiative · FDP — Parolen · GLP — Delegiertenversammlung Nottwil (27.06.2026) · EVP — Parolen (27.06.2026) · EDU — Parolen (08.08.2026) · Moneycab — Klares Nein des Gewerbes (sgv, 05.05.2026) · SRF — Ernährungsinitiative will laut Parmelin «zu schnell zu viel» (11.08.2026) · BauernZeitung — Was der Selbstversorgungsgrad misst · gfs.bern — 1. SRG-Trendumfrage zum 27.09.2026