Volksabstimmung vom 27. September 2026
Quellen: Abstimmungsbüchlein (Bundeskanzlei, Redaktionsschluss 19.06.2026) · parlament.ch · BLW/Agrarbericht · Parteien und Verbände · gfs.bern / LeeWas / YouGov
Selbstversorgung heisst: Wie viel von unserem Essen die Schweiz selbst herstellt. Heute sind das netto rund 45 Prozent. Die Initiative will, dass es mindestens 70 Prozent werden — innert zehn Jahren. Dafür soll die Landwirtschaft mehr pflanzliche Lebensmittel für Menschen anbauen und weniger Tiere halten. Ausserdem sollen das Trinkwasser, die Vielfalt der Natur und die Fruchtbarkeit des Bodens besser geschützt werden. Bundesrat und Parlament sagen Nein. Abgestimmt wird am 27. September 2026.
Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser» will Art. 104a der Bundesverfassung ändern und einen neuen Art. 74a einfügen: Der Bund soll einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstreben (heute im Mittel 2022–2024: 45 Prozent) und dafür eine stärker pflanzenbasierte Ernährungsweise und Landwirtschaft fördern. Die 2008 festgelegten Umweltziele Landwirtschaft für Stickstoff und Phosphor dürften nicht mehr überschritten werden; Grundwasser für die Trinkwassergewinnung wäre zu sichern. Ausführungsbestimmungen innert fünf, Umsetzung innert zehn Jahren; Anpassungen sozialverträglich und vom Bund finanziell unterstützt. Bundesrat und Parlament empfehlen die Ablehnung ohne Gegenentwurf; das Parlament lehnte in der Schlussabstimmung mit 194:0 und 44:0 ab. Es braucht Volks- und Ständemehr.
Hinter der Initiative steht Franziska Herren mit ihrem Verein «Sauberes Wasser für alle». Sie hatte schon die Trinkwasser-Initiative von 2021 lanciert, die damals abgelehnt wurde. Der Bundesrat und das Parlament finden die Ziele zwar grundsätzlich richtig, aber zu schwer in so kurzer Zeit erreichbar. Sie empfehlen ein Nein.
Der Verfassungsauftrag zur Ernährungssicherheit (Art. 104a BV) stammt aus der Abstimmung vom 24. September 2017, als der Gegenentwurf zur Bauernverbands-Initiative mit 78,7 Prozent Ja angenommen wurde. Am 13. Juni 2021 scheiterten die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative deutlich (39,3 bzw. 39,4 Prozent Ja). Die Ernährungsinitiative ist der dritte Anlauf aus diesem Umfeld: eingereicht am 16. August 2024 vom Verein «Sauberes Wasser für alle» um Franziska Herren, die schon die Trinkwasserinitiative lanciert hatte. Der Bundesrat empfiehlt seit seiner Botschaft vom 13. August 2025 die Ablehnung ohne Gegenvorschlag und verweist auf sein eigenes Ziel — mindestens 50 Prozent Netto-Selbstversorgung bis 2050 — und die Agrarpolitik 2030+. Der Nationalrat verwarf am 17. Dezember 2025 auch einen direkten Gegenentwurf (73:121). Neu gegenüber 2021: Pro Natura sagt Nein, Greenpeace gibt die Stimme frei, und im Nein-Komitee sitzen auch Politikerinnen von SP und Grünen.
Parolen gemäss Beschlüssen der Parteien und Verbände (Delegiertenversammlungen, Medienmitteilungen); Bundesrat & Parlament gemäss Bundesbeschluss. · Stand: 08. September 2026
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Opportunitätskosten = der Preis der nicht gewählten Option. Symmetrisch dargestellt, ohne Wertung.
Wähle eine Situation — sieh, wie sie sich heute und mit Art. 54a auswirken würde.
Netto rund 45 Prozent (Mittel 2022–2024); der Bundesrat strebt mindestens 50 Prozent bis 2050 an.
Der Bund müsste mindestens 70 Prozent anstreben — innert zehn Jahren, mit gesetzlichen Zwischenzielen.
Wortlaut gemäss Abstimmungstext im Abstimmungsbüchlein, gekürzt um die unveränderten Buchstaben von Art. 104a Abs. 1. Die endgültige Nummerierung legt die Bundeskanzlei nach der Abstimmung fest.
1 Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Erhaltung der Ökosysteme und der Biodiversität.
2 Der Bund lässt namentlich nicht mehr zu, dass die für die Gewässerqualität, die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität essenziellen, im Jahr 2008 vom Bundesamt für Landwirtschaft und vom Bundesamt für Umwelt als Umweltziele für die Landwirtschaft definierten Höchstwerte für Stickstoffverbindungen und Phosphor überschritten werden.
1 Zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln einschliesslich sauberen Trinkwassers schafft der Bund Voraussetzungen für: a. die Sicherung der Grundlagen für die landwirtschaftliche Produktion, insbesondere des Kulturlandes, der Biodiversität und der Bodenfruchtbarkeit sowie die Förderung von natürlichem, samenfestem Saat- und Pflanzgut; abis. die Sicherung der Grundwasserressourcen für die nachhaltige Trinkwassergewinnung; c. eine auf den Markt ausgerichtete und zugleich nachhaltige, klimabewusste Land- und Ernährungswirtschaft;
2 Der Bund strebt einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent an. Zu diesem Zweck trifft er insbesondere Massnahmen zur Förderung einer vermehrt auf pflanzlichen Lebensmitteln basierenden Ernährungsweise und einer darauf ausgerichteten Land- und Ernährungswirtschaft.
3 Bund und Kantone richten ihre Subventionen, die Förderung von Forschung, Beratung und Ausbildung sowie andere staatliche Anreize so aus, dass sie den Bestimmungen nach den Absätzen 1 und 2 nicht zuwiderlaufen.
1 Bund und Kantone erlassen ihre Ausführungsbestimmungen zu den Artikeln 74a und 104a Absatz 1 Einleitungssatz und Buchstaben a, abis und c sowie Absätze 2 und 3 innert fünf Jahren nach deren Annahme durch Volk und Stände.
2 Die Ausführungsgesetzgebung des Bundes regelt namentlich die Instrumente, die es ermöglichen, die neuen Vorgaben […] innert zehn Jahren nach deren Annahme zu erfüllen. Bezüglich des angestrebten Netto-Selbstversorgungsgrades legt das Gesetz auch Zwischenziele fest.
3 Die nötigen Anpassungen der landwirtschaftlichen Produktion sind sozialverträglich auszugestalten und werden vom Bund finanziell unterstützt.
Die Bundesversammlung empfiehlt Volk und Ständen, die Initiative abzulehnen.
Die Spannweite ist bei dieser Vorlage aussergewöhnlich gross: Patt bei der SRG, klares Nein bei Tamedia. Erklärungsansätze sind die Methoden (Mixed-Mode mit Telefon vs. reine Online-Panels) und die geringe Meinungsbildung — nur 60 % hatten Mitte August eine feste Stimmabsicht.
| Institut | Feldzeit | Befragte | Ja | Nein | Offen |
|---|---|---|---|---|---|
| gfs.bern (1. SRG-Trendumfrage) · SRG SSR | 3.–16. August 2026 | 17'212 | 47 % | 49 % | 4 % |
| LeeWas (1. Welle) · Tamedia / 20 Minuten | 12.–13. August 2026 | 13'154 | 31 % | 65 % | 4 % |
| YouGov Schweiz (2. Welle) · YouGov | 3.–17. August 2026 | 3'080 | 37 % | 52 % | 11 % |
Angekündigt: 2. SRG-Trendumfrage (gfs.bern), Publikation angekündigt für den 16. September 2026.
Drei Agrarabstimmungen in neun Jahren — und jedes Mal ging es um die Frage, wie stark der Staat Produktion und Konsum steuern soll.
Bei dieser Vorlage argumentieren beide Lager mit korrekten Zahlen — und erzeugen gegensätzliche Bilder. Fünf Zahlen, und was dahintersteckt.
Quellen u. a.: Bundeskanzlei — Erläuterungen des Bundesrates zum 27.09.2026 (Abstimmungsbüchlein, PDF) · Fedlex — Bundesbeschluss über die Volksinitiative (BBl 2026 800) · Parlament — Curia Vista, Geschäft 25.067 · Bundesrat — Botschaft: Empfehlung zur Ablehnung (13.08.2025) · BLW — Ernährungsinitiative · BLW — Agrarbericht 2025: Selbstversorgungsgrad · Parlamentsdienste — Ernährungsinitiative bleibt im Parlament chancenlos (17.03.2026) · Initiativkomitee — Für eine sichere Ernährung · Nein-Komitee — ernaehrungsinitiative-nein.ch · LID — Breites Nein-Komitee warnt vor Ernährungsinitiative · watson — Umweltverbände distanzieren sich · GRÜNE — Abstimmungen 27. September 2026 (Stimmfreigabe) · SVP — Delegiertenversammlung 22.08.2026 · SP — Nein zur Ernährungsinitiative · FDP — Parolen · GLP — Delegiertenversammlung Nottwil (27.06.2026) · EVP — Parolen (27.06.2026) · EDU — Parolen (08.08.2026) · Moneycab — Klares Nein des Gewerbes (sgv, 05.05.2026) · SRF — Ernährungsinitiative will laut Parmelin «zu schnell zu viel» (11.08.2026) · BauernZeitung — Was der Selbstversorgungsgrad misst · gfs.bern — 1. SRG-Trendumfrage zum 27.09.2026