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Abstimmung am 29. November 2026

Mehr Mehrwert-Steuer für die AHV?

Vorläufig Das Abstimmungs-Büchlein vom Bund gibt es noch nicht. Es kommt im Oktober 2026. Viele Parteien haben noch nicht gesagt, was sie empfehlen. Wir tragen das später nach. Stand: 08. September 2026
Für wen?

Lese-Stufe: Leicht

Abstimmung
29. November 2026
Art
Verfassung · Volk und Kantone müssen Ja sagen
Mehrwert-Steuer
8,1 → 8,5 Prozent
Parlament sagt
Ja

Quellen: Fedlex · parlament.ch · BSV (Finanzperspektiven) · ESTV-Berechnung via Blick · Parteien und Verbände — Abstimmungsbüchlein folgt

Worum geht es?

Seit 2024 gibt es die 13. AHV-Rente. Das heisst: Alle Rentner bekommen im Dezember eine Rente extra. Das kostet ungefähr 4 Milliarden Franken pro Jahr. Woher kommt das Geld? Das Parlament sagt: Die Mehrwert-Steuer soll steigen. Von 8,1 auf 8,5 Prozent. Die Mehrwert-Steuer zahlt man beim Einkaufen. Für Essen bleibt die Steuer tief. Das bringt ungefähr 1,5 Milliarden pro Jahr. Das ist etwa die Hälfte von den Kosten. Weil die Verfassung geändert wird, muss das Volk abstimmen. Bei einem Nein gibt es die 13. Rente trotzdem. Aber ohne dieses Geld.

Der Bundesbeschluss vom 19. Juni 2026 ergänzt Art. 130 BV: Zur Sicherung der Finanzierung der 13. Altersrente erhöht der Bundesrat den Mehrwertsteuer-Normalsatz um 0,4 und den Sondersatz für Beherbergung um 0,2 Prozentpunkte (Abs. 3quinquies); der Ertrag fliesst vollumfänglich in den AHV-Ausgleichsfonds (Abs. 3sexies). Der reduzierte Satz (2,6 %) bleibt unverändert. Erwartet werden rund 1,5 Mrd. Franken pro Jahr, vorgesehen ab 2028. Die 13. Rente kostet 2026 rund 4,2 Mrd. Franken; Mehrwertsteuer plus Bundesbeitrag decken laut BSV etwa die Hälfte. Der Bundesrat hatte 2024 eine Erhöhung um 0,7 Punkte vorgeschlagen; im Parlament scheiterten sowohl eine Befristung bis 2033 (SVP, FDP, GLP) als auch zusätzliche Lohnprozente (Mitte, SP, Grüne) — übrig blieb die unbefristete reine Mehrwertsteuerlösung. Als Verfassungsänderung untersteht sie dem obligatorischen Referendum: Volks- und Ständemehr.

Wie kam es dazu?

Am 3. März 2024 hat das Volk Ja gesagt zur 13. AHV-Rente. Aber die Initiative sagte nicht, wer das bezahlt. Das Parlament hat fast 2 Jahre gestritten. Nur Mehrwert-Steuer? Oder auch Abzüge vom Lohn? Für immer oder nur für ein paar Jahre? Am Ende blieb nur die Mehrwert-Steuer übrig. Für immer.

Die Volksinitiative für eine 13. AHV-Rente wurde am 3. März 2024 angenommen — ohne Finanzierung. Der Bundesrat beantragte am 16. Oktober 2024 eine Mehrwertsteuererhöhung um 0,7 Prozentpunkte und eine vorübergehende Senkung des Bundesbeitrags von 20,2 auf 19,5 Prozent. Im Parlament standen sich zwei Konzepte gegenüber: eine befristete, reine Mehrwertsteuerlösung (SVP, FDP, GLP) und eine dauerhafte Mischfinanzierung mit Lohnprozenten (Mitte, SP, Grüne). Der Nationalrat beharrte im Juni 2026 mit 99:97 auf einer Befristung bis 2033, der Ständerat auf der Mischfinanzierung; die Einigungskonferenz schlug 0,4 Punkte Mehrwertsteuer plus 0,2 Lohnprozente vor. Der Nationalrat strich die Lohnprozente mit 98:96. In der Schlussabstimmung vom 19. Juni 2026 passierte die reine Mehrwertsteuerlösung mit 108:85 und 28:13. Parallel läuft die Reform «AHV 2030» (Vernehmlassung bis 11. September 2026). Die 13. Rente wird 2026 und 2027 ohne zweckgebundene Zusatzfinanzierung ausbezahlt.

Bei einem Ja
Die Mehrwert-Steuer steigt ab 2028 von 8,1 auf 8,5 Prozent. Für Essen und Medikamente bleibt sie bei 2,6 Prozent. Ein normaler Haushalt zahlt ungefähr 15 Franken pro Monat mehr. Die AHV bekommt 1,5 Milliarden pro Jahr. Die andere Hälfte vom Geld fehlt noch.
Der Bundesrat bestimmt das Inkrafttreten; vorgesehen ist 2028. Rund 1,5 Mrd. Franken fliessen jährlich in den AHV-Ausgleichsfonds. Laut BSV-Referenzszenario halbiert sich das Umlagedefizit 2030 von rund 2,7 auf rund 1,2 Mrd. Franken, ein rasches Absinken des Fondsstands in den 2030er-Jahren wird verhindert. Eine Finanzierungslücke bleibt: Mehrwertsteuer und Bundesbeitrag decken die 13. Rente etwa zur Hälfte; der Arbeitgeberverband verlangt, den Rest über die Reform «AHV 2030» zu schliessen. Belastung nach ESTV-Berechnung: rund 7 Franken pro Monat bei tiefen, rund 28 Franken bei hohen Haushaltseinkommen.
Bei einem Nein
Die Mehrwert-Steuer bleibt gleich. Die 13. Rente gibt es trotzdem. Die AHV zahlt sie aus ihrem Fonds. Aber der AHV fehlt dann immer mehr Geld. Das Parlament muss eine neue Lösung suchen.
Es gibt keine Zusatzfinanzierung über die Mehrwertsteuer. Die 13. Rente ist geltendes Recht und wird ab Dezember 2026 ausbezahlt, vollständig zulasten des Ausgleichsfonds und der bestehenden Einnahmen. Laut BSV bliebe das Umlagedefizit 2030 bei rund 2,7 Mrd. Franken und stiege bis 2035 auf rund 4,9 Mrd. Das Parlament müsste eine neue Finanzierungsvorlage erarbeiten; die FDP verweist darauf, dass bis zu einer Strukturreform der AHV-Fonds die Kosten tragen solle.
Wer empfiehlt Ja oder Nein?
Ja
Bundesrat und ParlamentDie Mitte
Nein
FDP
Keine Empfehlung
Arbeitgeberverband

Noch keine Parole: SVP · SP · Grüne · GLP · EVP · EDU · economiesuisse · Gewerkschaftsbund · Travail.Suisse

So empfehlen die Parteien und der Bundesrat. Manche Parteien sagen es erst später. · Stand: 08. September 2026

Wie hat das Parlament gestimmt?
Nationalrat · Schlussabstimmung 19.06.2026
108 Ja
85 Nein

6 Enthaltungen

Ständerat · Schlussabstimmung 19.06.2026
28 Ja
13 Nein

3 Enthaltungen

ZH Jedes Mitglied einzeln — mit Wappen und Resultat alle 246 ansehen
Die Waage: Was gewinnt man? Was gibt man auf?
Bei einem JA
+ Das gewinnt man
  • Die AHV bekommt schnell und dauerhaft Geld
  • Alle zahlen mit: auch Rentner und Touristen
− Das gibt man auf
  • Einkaufen wird ein bisschen teurer
  • Weniger Druck für eine grosse AHV-Reform
Bei einem NEIN
+ Das gewinnt man
  • Keine neue Steuer
  • Man kann alles in einer grossen Reform lösen
− Das gibt man auf
  • Der AHV fehlt immer mehr Geld
  • Die 13. Rente hat keine feste Finanzierung

Jede Wahl hat einen Preis. Beide Seiten sind gleich gezeigt.

Gründe: dafür und dagegen

Dafür

Die Mitte / Bundes-Amt für Sozial-Versicherungen
AHV-Geld Das Volk hat die 13. Rente beschlossen. Jetzt muss man sie bezahlen. Sonst fehlt der AHV immer mehr Geld. Quelle: Die Mitte / Bundes-Amt für Sozial-Versicherungen ↗
Wer zahlt Die Mehrwert-Steuer ist fairer, als viele denken. Auf Miete und Kranken-Kasse gibt es keine. Auf Essen bleibt sie tief. Wer mehr kauft, zahlt mehr. Auch Touristen zahlen. Quelle: Bundes-Rätin Elisabeth Baume-Schneider / Gewerkschafts-Bund ↗
Wirtschaft & Kaufkraft Abzüge vom Lohn wären schlecht für die Arbeits-Plätze. Bei der Mehrwert-Steuer zahlen alle Generationen mit. Quelle: economiesuisse / Arbeitgeber-Verband ↗
Reform & Verfahren Die Rente ist für immer. Darum braucht es auch Geld für immer. Nicht nur für ein paar Jahre. Quelle: Travail.Suisse ↗

Dagegen

Travail.Suisse / Bundes-Amt für Sozial-Versicherungen
AHV-Geld Die Vorlage löst das Problem nicht. Das Geld reicht nur für die Hälfte von der 13. Rente. Quelle: Travail.Suisse / Bundes-Amt für Sozial-Versicherungen ↗
Wer zahlt Eine höhere Steuer beim Einkaufen macht alles teurer. Das trifft Läden und Restaurants in der Schweiz besonders. Quelle: Eine Minderheit im Arbeitgeber-Verband ↗
Wirtschaft & Kaufkraft Zuerst soll der Staat sparen. Dann kann man über Steuern reden. Die FDP sagt: Nein zu neuen Steuern. Quelle: FDP ↗
Reform & Verfahren Man soll die AHV als Ganzes reformieren. Nicht Stück für Stück. Bis dahin soll der AHV-Fonds bezahlen. Quelle: FDP / Wirtschafts-Verbände ↗
Beispiele: Was wäre anders?

Wähle ein Beispiel. Du siehst: Wie ist es heute? Wie wäre es mit der neuen Regel?

So ist es heute

Essen: 2,6 Prozent. Andere Sachen: 8,1 Prozent.

So wäre es mit der neuen Regel

Essen: 2,6 Prozent. Andere Sachen: 8,5 Prozent.

Der genaue Text der Vorlage Der neue Text in der Verfassung

Das ist der Original-Text. Er ist in schwerer Sprache. Wir haben ihn nicht verändert.

Art. 130 Abs. 3quinquies und 3sexies BV

3quinquies Zur Sicherung der Finanzierung der 13. Altersrente erhöht der Bundesrat den Normalsatz um 0,4 Prozentpunkte und den Sondersatz für Beherbergungsleistungen um 0,2 Prozentpunkte.

3sexies Der Ertrag aus der Erhöhung nach Absatz 3quinquies wird vollumfänglich dem Ausgleichsfonds der Alters- und Hinterlassenenversicherung zugewiesen.

Ziffer II

1 Dieser Beschluss wird Volk und Ständen zur Abstimmung unterbreitet. 2 Der Bundesrat bestimmt das Inkrafttreten.

Quelle: Fedlex — BBl 2026 1757 (PDF) ↗
Umfragen Eine Umfrage ist keine Vorhersage.

Es gibt noch keine Umfrage zu dieser Vorlage.

Zu dieser Vorlage gibt es noch keine Umfrage.

Kommt noch: Erste Umfragen kommen ungefähr im Oktober 2026.

Mehr dazu · zum Aufklappen
Irrtümer aufklären Was viele falsch verstehen — klar erklärt

Zahlen aus dem Abstimmungs-Kampf. Und wer sie sagt.

Viele denken:«Damit ist die 13. Rente bezahlt.»
Richtig ist:Nur zur Hälfte. Das sagt das Bundes-Amt für Sozial-Versicherungen. Die andere Hälfte fehlt noch.
bsv.admin.ch
Viele denken:«Alle zahlen gleich viel.»
Richtig ist:Nein. Wer wenig verdient, zahlt ungefähr 7 Franken pro Monat mehr. Wer viel verdient, ungefähr 28 Franken. Das hat die Steuer-Verwaltung ausgerechnet.
blick.ch (ESTV)
Viele denken:«Bei einem Nein gibt es keine 13. Rente.»
Richtig ist:Doch. Die 13. Rente ist schon beschlossen. Sie kommt im Dezember 2026. Bei einem Nein fehlt nur das Geld dafür.
srf.ch
Was wir noch nicht wissen Hier fehlen noch Infos. Wir tragen sie später nach.
  • Das Abstimmungs-Büchlein vom Bund gibt es noch nicht.
  • Die meisten Parteien haben noch keine Parole. Nur die Mitte (Ja) und die FDP (Nein).
  • Es gibt noch keine Umfrage.
  • Es gibt noch kein Nein-Komitee.
Für Lehr-Personen · Bezug zum Lehrplan
  • Sek I · Einstieg
    Warum stimmt das Volk ab? Niemand hat Unterschriften gesammelt. Aber die Verfassung wird geändert. Dann muss das Volk immer abstimmen.
  • Sek II / Gymi · BFS / ABU
    Wer zahlt eine Steuer? Rechnen mit den Zahlen: 7, 15 oder 28 Franken pro Monat. Und: 2024 beschlossen, 2026 ausbezahlt, 2028 finanziert.

Quellen: Fedlex — Bundesbeschluss vom 19.06.2026 (BBl 2026 1757, PDF) · Parlament — Curia Vista, Geschäft 24.073 · Parlament — Für die 13. AHV-Rente wird die Mehrwertsteuer erhöht (19.06.2026) · BSV — Neue Finanzperspektiven der Sozialwerke (02.07.2026) · BSV — 13. AHV-Rente: Umsetzung · admin.ch/BSV — Botschaft zur 13. AHV-Rente (16.10.2024) · SRF — Baume-Schneider: Mehrwertsteuer «nicht so unfair» (20.03.2026) · SRF — 13. AHV-Rente nur teilfinanziert: Wie geht es weiter? · watson — Höhere Mehrwertsteuer wegen 13. AHV: die wichtigsten Antworten · Blick — ESTV-Berechnung: So viel kostet der Zuschlag pro Haushalt · SRF — Mitte-Delegiertenversammlung 05.09.2026 · FDP — Finanzierung der 13. AHV-Rente · FDP — Parolen · Arbeitgeberverband — Stimmfreigabe (21.08.2026) · economiesuisse — Wirtschaft geeint für Kompromiss (02.06.2026) · SGB — DV wird Parole zur Mehrwertsteuer-Finanzierung beschliessen · Travail.Suisse — Rasche und nachhaltige Finanzierung (20.02.2026) · Bundeskanzlei — Abstimmungsvorlagen für den 29. November 2026