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Abstimmung am 29. November 2026

Lockere Regeln für Waffen-Exporte? (Kriegs-Material-Gesetz)

Für wen?

Lese-Stufe: Leicht

Abstimmung
29. November 2026
Art
Referendum · nur das Volk muss Ja sagen
Unterschriften
58'767
Bundes-Rat und Parlament sagen
Ja zum neuen Gesetz

Quellen: Fedlex (Gesetz, Verordnung) · parlament.ch (Curia Vista, namentliche Abstimmung) · SECO · Referendums- und Ja-Komitee · Parteien · Abstimmungsbüchlein (12.10.2026) · Umfrageinstitute

Worum geht es?

Die Schweiz hat strenge Regeln für Waffen-Exporte. Das Parlament will sie lockern. Neu dürfte die Schweiz Waffen auch an Länder liefern, die im Krieg sind. Aber nur an Länder mit ähnlichen Regeln. Zum Beispiel Deutschland oder die USA. Und diese Länder müssten nicht mehr versprechen: Wir geben die Waffen nicht weiter. Der Bundes-Rat dürfte in besonderen Fällen von den Regeln abweichen. Waffen an die Ukraine bleiben verboten. Gegen das neue Gesetz gibt es ein Referendum. Ja heisst: Das neue Gesetz gilt. Nein heisst: Das alte Gesetz bleibt.

Die Änderung vom 19. Dezember 2025 greift an drei Stellen ins Kriegsmaterialgesetz ein. Art. 18: Die Nichtwiederausfuhr-Erklärung des Empfängerstaats ist nicht mehr die Regel, sondern kann vom Bundesrat verlangt werden, wenn aussen-, neutralitäts- oder sicherheitspolitische Gründe es erfordern. Art. 22a Abs. 2bis: Der Ausschlussgrund «Bestimmungsland ist in einen bewaffneten Konflikt verwickelt» gilt nicht mehr für Staaten, für die der Bundesrat Ausnahmen von der Einzelbewilligungspflicht vorsieht (Anhang 2 der Kriegsmaterialverordnung — bei der Parlamentsdebatte 25 Staaten, seit 1. Juli 2026 36); Gesuche für diese Länder werden bewilligt, ausser bei ausserordentlichen Umständen. Art. 22b: Der Bundesrat kann bei ausserordentlichen Umständen befristet (Verordnung max. vier Jahre, einmal verlängerbar) von den Bewilligungskriterien abweichen und muss die Sicherheitspolitischen Kommissionen innert 24 Stunden informieren. Menschenrechtsverletzungen, Einsatz gegen die Zivilbevölkerung und Weitergaberisiko bleiben Ausschlussgründe. Gegen das Gesetz wurde das Referendum mit 58'767 gültigen Unterschriften ergriffen. Es braucht nur das Volksmehr.

Wie kam es dazu?

Die strengen Regeln von heute gibt es seit 2021. Damals gab es eine Volks-Initiative. Das Parlament machte einen Kompromiss. Dann griff Russland die Ukraine an. Deutschland wollte Schweizer Munition an die Ukraine weitergeben. Die Schweiz sagte Nein. Das Gesetz verbietet das. Seither sagt die Waffen-Industrie: Wir verlieren Aufträge. Darum hat das Parlament das Gesetz gelockert. Es ging weiter als der Bundes-Rat wollte.

Art. 22a KMG mit seinen Bewilligungskriterien ist selbst das Ergebnis eines Kompromisses: 2021 hob das Parlament die bis dahin auf Verordnungsstufe geregelten Kriterien als indirekten Gegenvorschlag zur «Korrektur-Initiative» ins Gesetz; die Initiative wurde daraufhin zurückgezogen, das Gesetz gilt seit 1. Mai 2022. Wenige Monate später lehnte der Bundesrat Wiederausfuhrgesuche von EU-Staaten für die Ukraine mit Verweis auf dieses Recht ab; die Rüstungsindustrie gilt seither als unattraktive Lieferantin. Eine Motion der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats (23.3585) verlangte 2023 eine Abweichungskompetenz. Der Bundesrat setzte sie in seiner Botschaft vom 12. Februar 2025 um — wortgleich mit seinem Gegenvorschlag von 2021, nur Art. 22b. Das Parlament ging deutlich weiter: Der Ständerat ergänzte im Juni 2025 die Ausnahme für die Staaten mit vereinfachter Bewilligung und, auf Antrag Thierry Burkart, die Lockerung bei der Wiederausfuhr; der Nationalrat bestätigte das Paket im Dezember 2025 (Schlussabstimmung NR 122:68, SR 31:11). Beide Lager betonen: Lieferungen an die Ukraine blieben auch mit der Revision verboten.

Bei einem Ja
Das neue Gesetz gilt. Länder mit ähnlichen Regeln bekommen auch im Krieg Waffen. Sie dürfen die Waffen meistens weitergeben. Der Bundes-Rat darf in besonderen Fällen von den Regeln abweichen. Waffen an die Ukraine bleiben verboten.
Die Änderung tritt in Kraft; den Zeitpunkt bestimmt der Bundesrat. Nichtwiederausfuhr-Erklärungen werden von der Regel zur Möglichkeit; für die Staaten nach Anhang 2 KMV entfällt der Ausschlussgrund «bewaffneter Konflikt»; der Bundesrat erhält eine befristete Abweichungskompetenz mit Information der Sicherheitspolitischen Kommissionen. Er bleibt an Waffenhandelsvertrag, Neutralitätsrecht, humanitäres Völkerrecht und Menschenrechte gebunden und kann Gesuche ablehnen, wenn er die Neutralität oder die Interessen der Schweiz gefährdet sieht. Welche Länder erfasst sind, steht nicht im Gesetz, sondern in der Verordnung — der Bundesrat kann die Liste anpassen.
Bei einem Nein
Das alte Gesetz bleibt. Keine Waffen an Länder im Krieg. Die Länder müssen versprechen: Wir geben die Waffen nicht weiter.
Die Änderung tritt nicht in Kraft. Es gelten weiterhin Art. 18 (Nichtwiederausfuhr-Erklärung als Regel) und Art. 22a Abs. 2 Bst. a (keine Bewilligung bei Verwicklung des Bestimmungslands in einen bewaffneten Konflikt). Der Bundesrat erhält keine Abweichungskompetenz. Die 2021 unter dem Druck der Korrektur-Initiative eingeführten Bestimmungen bleiben unangetastet.
Wer empfiehlt Ja oder Nein?
Ja
Bundesrat und ParlamentFDPSVPDie MitteGLPEDUSwissmemArbeitgeberverbandGewerbeverband sgveconomiesuisse
Nein
SPGrüneEVPGSoASchweizerischer FriedensratCaritasJUSO
Keine Empfehlung
Travail.Suisse

So empfehlen die Parteien und der Bundesrat. Manche Parteien sagen es erst später. · Stand: 25. Oktober 2026

Wie hat das Parlament gestimmt?
Nationalrat · Schlussabstimmung 19.12.2025
122 Ja
68 Nein

6 Enthaltungen

Ständerat · Schlussabstimmung 19.12.2025
31 Ja
11 Nein

1 Enthaltung

ZH Jedes Mitglied einzeln — mit Wappen und Resultat alle 246 ansehen
Die Waage: Was gewinnt man? Was gibt man auf?
Bei einem JA
+ Das gewinnt man
  • Die Waffen-Industrie bekommt wieder mehr Aufträge
  • Der Bundes-Rat kann schnell reagieren
− Das gibt man auf
  • Weniger Kontrolle, wo die Waffen landen
  • Länder im Krieg sind nicht mehr automatisch ausgeschlossen
Bei einem NEIN
+ Das gewinnt man
  • Die strengen Regeln bleiben
  • Der Kompromiss von 2021 bleibt
− Das gibt man auf
  • Die Waffen-Industrie bleibt unter Druck
  • Der Bundes-Rat hat keinen Spielraum

Jede Wahl hat einen Preis. Beide Seiten sind gleich gezeigt.

Gründe: dafür und dagegen

Dafür

National-Rat Reto Nause (Mitte) / Stände-Rat Josef Dittli (FDP)
Sicherheit & Armee Die Armee braucht eine eigene Waffen-Industrie. Die Industrie braucht Exporte. Sonst geht sie unter. Dann ist die Schweiz schlechter geschützt. Quelle: National-Rat Reto Nause (Mitte) / Stände-Rat Josef Dittli (FDP) ↗
Neutralität & Recht Es geht nicht um blinde Exporte. Der Bundes-Rat muss sich weiter an die Neutralität und die Menschen-Rechte halten. Er kann Exporte verbieten. Quelle: National-Rat Heinz Theiler (FDP) / Bundes-Rat ↗
Industrie & Arbeit Die Schweiz hat die strengsten Regeln in Europa. Sie hat schon viele Arbeits-Plätze und viel Wissen verloren. Quelle: Brigitte Häberli-Koller (Mitte) / Swissmem ↗
Kontrolle & Demokratie Die wichtigsten Regeln bleiben: keine Waffen an Länder, die Menschen-Rechte verletzen. Die Ausnahme vom Bundes-Rat ist nur für kurze Zeit. Das Parlament schaut zu. Quelle: Bundes-Rat / Ja-Komitee ↗

Dagegen

Referendums-Komitee (GSoA, SP, Grüne, EVP und andere)
Sicherheit & Armee Wer Waffen in Krisen-Gebiete liefert, ist mitschuldig an Krieg und Leid. Die Schweiz soll nicht mitmachen beim Wettrüsten. Quelle: Referendums-Komitee (GSoA, SP, Grüne, EVP und andere) ↗
Neutralität & Recht Man weiss dann nicht mehr, wo Schweizer Waffen landen. Das ist nicht mehr neutral. Und das Volk wurde nicht gefragt. Quelle: Stände-Rat Daniel Jositsch (SP) ↗
Industrie & Arbeit Das Gesetz hilft nur der Waffen-Industrie. Der Ukraine hilft es nicht. Waffen an die Ukraine bleiben verboten. Quelle: National-Rat Balthasar Glättli (Grüne); ähnlich Stände-Rätin Marianne Binder-Keller (Mitte) ↗
Kontrolle & Demokratie Der Bundes-Rat kann von allen Regeln abweichen. Das Parlament hat weniger Kontrolle. Die Regeln von 2021 werden ausgehebelt. Quelle: Referendums-Komitee / GSoA ↗
Beispiele: Was wäre anders?

Wähle ein Beispiel. Du siehst: Wie ist es heute? Wie wäre es mit der neuen Regel?

So ist es heute

Nicht erlaubt.

So wäre es mit der neuen Regel

Auch nicht erlaubt. Das sagen beide Seiten.

Zwei Wege: Was passiert nach der Abstimmung?

Bei Ja geht es anders weiter als bei Nein. Jeder Punkt hat ein Zeichen: Das steht im Gesetz. Oder: Das schätzt der Bund. Oder: Das erwarten die Lager. Tippe auf einen Punkt. Dann siehst du den Text und die Quelle.

Bei Ja
  1. nach Annahme Das Gesetz gilt ab einem Datum, das der Bundes-Rat bestimmt steht im Gesetz

    Das Parlament hat die Änderung am 19. Dezember 2025 beschlossen. Dagegen wurde das Referendum ergriffen. Darum stimmt das Volk ab. Bei einem Ja bestimmt der Bundes-Rat, ab wann das neue Gesetz gilt. Ein Datum steht nirgends. Nicht im Gesetz und nicht in der Botschaft. Der Bund rechnet mit keinen zusätzlichen Kosten. Und er braucht kein zusätzliches Personal.

    Quelle: Gesetzes-Text (Fedlex); Botschaft vom Bundes-Rat ↗
  2. ab Inkrafttreten 36 Länder dürfen auch im Krieg beliefert werden steht im Gesetz

    Es gibt eine Liste mit Ländern. Sie steht im Anhang 2 der Verordnung. Seit dem 1. Juli 2026 stehen darauf: alle EU-Länder, alle EFTA-Länder, Argentinien, Australien, Japan, Kanada, Neuseeland, die USA und Grossbritannien. Das sind 36 Länder. Heute gilt: Wer in einem bewaffneten Konflikt ist, bekommt kein Kriegs-Material aus der Schweiz. Bei einem Ja gilt das für diese 36 Länder nicht mehr. Ihre Gesuche werden bewilligt. Ausser in ausser-gewöhnlichen Situationen. Andere Verbote bleiben. Zum Beispiel: keine Lieferung, wenn ein Land die Menschen-Rechte schwer verletzt. Keine Lieferung, wenn Waffen gegen die Zivil-Bevölkerung eingesetzt werden. Keine Lieferung bei einem Embargo. Ein Embargo ist ein Handels-Verbot. Die Ukraine steht nicht auf der Liste. Der Bundes-Rat kann die Liste allein ändern. Regeln dafür gibt es nicht. Weder im Gesetz noch in der Verordnung.

    Quelle: Gesetzes-Änderung; Verordnung mit Länder-Liste (Fedlex); Antwort vom Bundes-Rat im Parlament ↗
  3. ab Inkrafttreten Die Erklärung gegen Weitergabe ist nicht mehr Pflicht steht im Gesetz

    Heute gilt: Wer Kriegs-Material aus der Schweiz kauft, muss eine Erklärung unterschreiben. Darin verspricht das Land: Wir geben das Material nicht weiter. Bei einem Ja ist diese Erklärung nicht mehr Pflicht. Der Bundes-Rat kann sie verlangen. Zum Beispiel aus Gründen der Neutralität oder der Sicherheit. Bei Einzel-Teilen für die internationale Produktion verzichtet er meistens darauf. Alte Erklärungen laufen nicht ab. Zum Beispiel nicht nach 5 Jahren. Das steht nicht im Gesetz. Auch eine Übergangs-Regel für alte Erklärungen fehlt.

    Quelle: Gesetzes-Änderung, Artikel 18 (Fedlex) ↗
  4. ab Inkrafttreten, Verordnung max. 4 Jahre Der Bundes-Rat darf Ausnahmen machen. Aber nur für eine bestimmte Zeit steht im Gesetz

    In ausser-gewöhnlichen Situationen darf der Bundes-Rat von den Regeln abweichen. Zum Beispiel, wenn die Sicherheit der Schweiz es verlangt. Es gibt zwei Wege. Erster Weg: eine Verfügung für einen einzelnen Fall. Dann muss der Bundes-Rat die Sicherheits-Kommissionen vom Parlament informieren. Innerhalb von 24 Stunden. Zweiter Weg: eine Verordnung. Sie gilt höchstens 4 Jahre. Der Bundes-Rat kann sie einmal verlängern. Dann muss er dem Parlament ein Gesetz vorschlagen. Sonst fällt die Verordnung 6 Monate nach der Verlängerung weg. Embargos gehen immer vor.

    Quelle: Gesetzes-Änderung, Artikel 22b (Fedlex); Botschaft vom Bundes-Rat ↗
  5. ab 2027 Der Nutzen hängt von der Situation ab, sagt der Bundes-Rat schätzt der Bund

    Der Bundes-Rat sagt: Der Nutzen für die Rüstungs-Industrie kann klein sein. Oder sehr gross. Das hängt von der Situation ab. Er nennt eine Studie aus dem Jahr 2023. Die Rüstungs-Industrie bringt der Schweiz rund 2,3 Milliarden Franken pro Jahr. Und rund 14'300 Arbeits-Plätze. Mit den Ausnahmen kann der Bundes-Rat zum Beispiel weiter Teile an Partner-Länder liefern. Auch wenn diese plötzlich in einen Krieg geraten. Auch Gegen-Geschäfte beim Kauf von Waffen werden sicherer.

    Quelle: Botschaft vom Bundes-Rat (2025). Achtung: Die Schätzung gilt nur für die Ausnahmen vom Bundes-Rat. Das Parlament hat später noch mehr gelockert. ↗
  6. bis 2035 Verlässliche Partnerin oder Verlust der Kontrolle? erwarten die Lager

    Was die Lockerung für die Industrie, die Neutralität und die Kontrolle über die Waffen bedeutet: Die beiden Seiten sehen das ganz verschieden.

    Die Befürworter sagen

    Partner-Länder wie Deutschland, Dänemark oder die Niederlande kaufen wieder in der Schweiz ein. Die Produktion, das Wissen und die Arbeits-Plätze bleiben im Land. Die Armee hat eine funktionierende Industrie hinter sich. Der Bundes-Rat kann immer Nein sagen. Zum Beispiel, wenn er die Neutralität in Gefahr sieht.

    Das Ja-Komitee «Sicherheit stärken» (SVP, FDP, Mitte, Wirtschafts-Verbände) / Swissmem ↗
    Die Gegner sagen

    Schweizer Kriegs-Material kann sofort und ohne Bedingungen weiter-gegeben werden. Über Tochter-Firmen oder Zwischen-Händler kann es in Bürger-Kriege gelangen. Zum Beispiel in den Sudan oder nach Israel. Der Bundes-Rat kann Ausnahmen machen, wie er will. Das Parlament und das Volk haben keine Kontrolle mehr. Die Neutralität wird ausgehöhlt.

    Das Referendums-Komitee (GSoA, SP, Grüne, EVP und andere) ↗
    Quelle: Debatten im Parlament (2025) ↗
Bei Nein
  1. 2026 Das Gesetz von 2021 bleibt steht im Gesetz

    Die Änderung gilt nicht. Es bleibt beim Kriegs-Material-Gesetz von 2021. Es gilt seit dem 1. Mai 2022. Das Parlament hat es damals als Antwort auf die Korrektur-Initiative gemacht. Die Initiative wurde dann zurück-gezogen. Das Gesetz sagt: Wer Kriegs-Material kauft, muss versprechen, es nicht weiter-zugeben. Und: Länder in einem bewaffneten Konflikt bekommen kein Kriegs-Material. Der Bundes-Rat darf keine Ausnahmen machen.

    Quelle: Kriegs-Material-Gesetz, Artikel 18 und 22a (Fedlex) ↗
  2. ab 2027 Die Liste mit 36 Ländern gilt trotzdem. Aber nur für einfachere Verfahren steht im Gesetz

    Die Liste mit den 36 Ländern gilt seit dem 1. Juli 2026. Sie steht in einer Verordnung. Darum bleibt sie auch bei einem Nein. Für diese Länder ist das Verfahren einfacher. Zum Beispiel beim Handel und bei der Weitergabe von Technik. Es braucht keine einzelne Bewilligung. Aber: Das Verbot bei einem bewaffneten Konflikt bleibt. Der Bundes-Rat hat die Liste bewusst vor der Abstimmung erweitert. So ist klar, um welche Länder es geht.

    Quelle: Bundes-Rat, Medien-Mitteilung vom 27. Mai 2026; Verordnung mit Länder-Liste ↗
  3. ab 2027 Gesuche wie im Jahr 2022 muss die Schweiz weiter ablehnen steht im Gesetz

    Die alten Erklärungen gegen Weitergabe bleiben gültig. Im Jahr 2022 wollten Deutschland und Dänemark Schweizer Kriegs-Material an die Ukraine weiter-geben. Deutschland rund 12'400 Schuss Munition für den Panzer Gepard. Dänemark 22 Panzer vom Typ Piranha. Der Bundes-Rat hat am 3. Juni 2022 Nein gesagt. Bei einem Nein muss er solche Gesuche weiter ablehnen. Solange das Land in einem Konflikt ist. Einzel-Teile an Rüstungs-Firmen in Partner-Ländern darf die Schweiz weiter liefern. Aber nur, wenn der Schweizer Anteil am fertigen Produkt unter 50 Prozent liegt. So macht es der Bundes-Rat heute.

    Quelle: Bundes-Rat und SECO, Medien-Mitteilung vom 3. Juni 2022; Kriegs-Material-Gesetz ↗
  4. ab 2027 Im Parlament ist keine Lockerung offen. Neue Vorschläge sind möglich steht im Gesetz

    Alle bisherigen Vorschläge für eine Lockerung sind erledigt. Der Ständerat hat einen Vorschlag von Ständerat Burkart abgelehnt (2023, 23 zu 18 Stimmen). Der Nationalrat hat die «Lex Ukraine» abgelehnt (2023, 98 zu 75 Stimmen). Ein weiterer Vorschlag kam durch den Ständerat, aber nicht durch den Nationalrat (2023, 135 zu 48 Stimmen). Einen Vorschlag hat die Kommission vom Nationalrat im November 2025 zurück-gezogen. Ein Auftrag ans Parlament ist erfüllt. Für eine neue Lockerung braucht es einen neuen Vorschlag. Ein neues Gesetz könnte wieder vors Volk kommen. Offen ist nur ein Vorschlag für ein Export-Verbot in die Vereinigten Arabischen Emirate.

    Quelle: Parlament (Curia Vista); politchronik.swiss ↗
  5. ab 2027 Die strengsten Regeln in Europa: Schutz oder Isolation? erwarten die Lager

    Was es bedeutet, beim Gesetz von 2021 zu bleiben: Die beiden Seiten sehen das ganz verschieden.

    Die Befürworter sagen

    Die wichtigsten Partner-Länder sehen die Schweiz nicht mehr als verlässliche Lieferantin. Firmen verlegen ihre Produktion ins Ausland. Sie investieren nicht mehr in der Schweiz. Spezielles Wissen geht für immer verloren. Denn: Was einmal weg ist, kommt nicht zurück.

    Swissmem / Das Ja-Komitee «Sicherheit stärken» ↗
    Die Gegner sagen

    Die Schutz-Regeln von 2021 bleiben. Sie kamen wegen der Korrektur-Initiative. Die Schweiz behält die Kontrolle darüber, wo ihre Waffen landen. Sie bleibt neutral und glaubwürdig. Und sie macht nicht mit beim Wettrüsten.

    GSoA / Das Bündnis für das Referendum (SP, Grüne, EVP und andere) ↗
    Quelle: Debatten im Parlament (2025) ↗
  6. bis 2035 Der Bundes-Rat hat wenig Spielraum, sagt die Botschaft schätzt der Bund

    Ohne die Ausnahme im Gesetz kann der Bundes-Rat in einer Notlage nur auf die Verfassung zurück-greifen. Artikel 184 der Verfassung erlaubt ihm das. Aber der Bundes-Rat sagt: Eine solche Bewilligung wäre gegen den Wortlaut vom Gesetz. Das könnte Fragen zur Rolle von Bundes-Rat und Parlament aufwerfen. Und: Wenn ein Partner-Land in einen Krieg gerät, kann die Schweiz ihm keine Teile mehr liefern. So ist das heutige Recht.

    Quelle: Botschaft vom Bundes-Rat (2025); Einschätzung zur heutigen Lage ↗
Kann man das später wieder ändern?
Gesetz: Das Parlament kann es ändern

Es geht um ein Gesetz vom Bund. Das Parlament kann es jederzeit wieder ändern. In beide Richtungen: strenger oder lockerer. Gegen jede Änderung kann man das Referendum ergreifen. Dafür braucht es 50'000 Unterschriften oder 8 Kantone. Innerhalb von 100 Tagen. Die wichtige Länder-Liste steht in einer Verordnung. Der Bundes-Rat kann sie allein ändern. Ohne Parlament und ohne Volks-Abstimmung. Eine Ausnahme per Verordnung gilt höchstens 4 Jahre. Der Bundes-Rat kann sie einmal verlängern. Eine Volks-Initiative könnte die Regeln in die Verfassung schreiben. Dann müssten Volk und Kantone zustimmen.

Andere Vorschläge im Parlament
Vorschlag vom Bundes-Rat: nur Ausnahmen in Notlagen

Der Bundes-Rat hat am 12. Februar 2025 seinen Vorschlag gemacht. Er hat damit einen Auftrag vom Parlament erfüllt. Sein Vorschlag war klein: Nur die Ausnahmen für Notlagen. Das war der gleiche Vorschlag wie 2021. Das Parlament hat dann mehr dazu-genommen: die Lockerung bei der Weitergabe und die Ausnahme für die 36 Länder.

Ergebnis Ständerat am 11. Juni 2025: Ja mit 31 zu 11 Stimmen. Nationalrat am 2. Dezember 2025: Ja mit 120 zu 63 Stimmen. Schluss-Abstimmung am 19. Dezember 2025: Nationalrat 122 zu 68, Ständerat 31 zu 11.
Quelle: parlament.ch ↗
Kompromiss-Vorschlag von Ständerat Roth: Lieferungen an Länder, die sich verteidigen

Die Schweiz hätte Kriegs-Material an Länder liefern dürfen, die sich gegen einen Angriff verteidigen. So wie es die Charta der UNO erlaubt. Ein Beispiel wäre die Ukraine.

Ergebnis Der Ständerat hat den Vorschlag am 11. Juni 2025 abgelehnt. Die genaue Stimmen-Zahl ist nicht bekannt.
Quelle: parlament.ch ↗
«Lex Ukraine»: Vorschlag aus der Kommission vom Nationalrat

Ein dringendes Gesetz, befristet bis Ende 2025. Die Erklärung gegen Weitergabe hätte nicht mehr gegolten. Aber nur für Lieferungen an die Ukraine. Und nur wegen dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine.

Ergebnis Der Nationalrat hat am 1. Juni 2023 Nein gesagt. 98 zu 75 Stimmen.
Quelle: parlament.ch ↗
Vorschlag aus der Kommission vom Ständerat: Erklärung gegen Weitergabe nur 5 Jahre gültig

Für die 36 Länder auf der Liste hätte die Erklärung nur 5 Jahre gegolten. Danach hätten sie das Material weiter-geben dürfen. Aber nur an Länder, die nicht in einem Krieg sind. Ausser sie verteidigen sich. Und nur an Länder, die die Menschen-Rechte nicht schwer verletzen. Und wenn keine Gefahr für die Zivil-Bevölkerung besteht. Alte Erklärungen wären weg-gefallen.

Ergebnis Der Ständerat sagte am 7. Juni 2023 Ja (22 zu 17 Stimmen). Der Nationalrat sagte am 27. September 2023 Nein (135 zu 48 Stimmen).
Quelle: parlament.ch ↗
Vorschlag aus der Kommission vom Nationalrat: 5 Jahre, aber mit Bedingungen von der UNO

Ähnlich wie der Vorschlag vom Ständerat. Aber die Ausnahme für Selbst-Verteidigung hätte nur gegolten, wenn die UNO das feststellt. Entweder der Sicherheits-Rat. Oder zwei Drittel der General-Versammlung. Die Vernehmlassung lief von Juni bis Oktober 2024. In einer Vernehmlassung dürfen alle ihre Meinung sagen.

Ergebnis Die Kommission hat den Vorschlag am 11. November 2025 zurück-gezogen. Grund: Die Weitergabe ist jetzt in der neuen Vorlage geregelt.
Quelle: parlament.ch ↗
Vorschlag von Ständerat Burkart: Keine Erklärung gegen Weitergabe für die Länder auf der Liste

Für Länder mit gleichen Werten und ähnlichen Export-Regeln hätte es gar keine Erklärung mehr gebraucht.

Ergebnis Der Ständerat hat am 6. März 2023 Nein gesagt. 23 zu 18 Stimmen. Der Kern vom Vorschlag kam 2025 trotzdem ins Gesetz. Als Antrag von Ständerat Burkart zu Artikel 18.
Quelle: parlament.ch ↗
Vorschläge aus der Vernehmlassung 2024

Die Wirtschafts-Verbände wollten das Verbot bei bewaffneten Konflikten ganz streichen. Oder es für die Länder auf der Liste aufheben. Der Kanton Basel-Landschaft wollte die Ausnahmen nur für dieses eine Verbot erlauben.

Ergebnis Der Bundes-Rat hat keinen dieser Vorschläge übernommen. Aber der Ständerat hat die Ausnahme für die Länder auf der Liste später ins Gesetz geschrieben.
Quelle: parlament.ch ↗
Das weiss man noch nicht

Es gibt keine amtlichen Zahlen für die Zukunft. Weder für ein Ja noch für ein Nein. Die Export-Zahlen vom SECO zeigen nur die Vergangenheit. Und einzelne grosse Geschäfte verändern diese Zahlen stark. Offen ist auch: Wann setzt der Bundes-Rat das neue Gesetz in Kraft? Und ändert er die Länder-Liste im Anhang 2 der Verordnung noch einmal?

Tendenz von den Besuchern

Was denkst du heute über die Vorlage?

Diskussion

Regeln für die Diskussion

Bleib freundlich. Schreibe sachlich. Keine Beleidigungen. Meinungen für Ja und für Nein sind gleich willkommen. Dein Beitrag erscheint, wenn du den Link in der E-Mail klickst. Wir dürfen Beiträge wieder löschen.

Der genaue Text der Vorlage Die drei neuen Artikel im Gesetz

Das ist der Original-Text. Er ist in schwerer Sprache. Wir haben ihn nicht verändert.

Art. 18 Nichtwiederausfuhr-Erklärungen; Ausnahmen

1 Wenn aussen-, neutralitäts- oder sicherheitspolitische Gründe dies erfordern, kann der Bundesrat vom staatlichen Endempfänger eine Nichtwiederausfuhrerklärung verlangen.

2 Bei Einzelteilen und Baugruppen von Kriegsmaterial wird grundsätzlich auf die Nichtwiederausfuhr-Erklärung verzichtet, wenn feststeht, dass es sich um eine Zulieferung im Rahmen einer internationalen Wertschöpfungskette handelt.

Art. 22a Abs. 2bis

2bis Absatz 2 Buchstabe a gilt nicht für Länder, für welche der Bundesrat gestützt auf die Artikel 15 Absatz 2, 16a Absatz 2 und 20 Absatz 3 Ausnahmen von der Einzelbewilligungspflicht vorsieht. Ausfuhrgesuche für diese Länder werden bewilligt, ausser es liegen ausserordentliche Umstände vor und die aussen-, neutralitäts- oder sicherheitspolitischen Interessen der Schweiz erfordern eine Ablehnung.

Art. 22b Abweichung des Bundesrates von den Bewilligungskriterien für Auslandsgeschäfte

1 Der Bundesrat kann unter Einhaltung der Voraussetzungen in Artikel 22 von den Bewilligungskriterien nach Artikel 22a abweichen, wenn: a. ausserordentliche Umstände vorliegen; und b. die Wahrung der aussen- oder der sicherheitspolitischen Interessen des Landes dies erfordert.

2 Erfolgt die Abweichung mittels Verfügung, so informiert der Bundesrat die sicherheitspolitischen Kommissionen der Bundesversammlung spätestens 24 Stunden nach seinem Beschluss.

3 Erfolgt die Abweichung mittels Verordnung, so befristet der Bundesrat diese angemessen; ihre Geltungsdauer beträgt höchstens vier Jahre. Der Bundesrat kann die Geltungsdauer einmal verlängern. In diesem Fall tritt die Verordnung sechs Monate nach dem Inkrafttreten ihrer Verlängerung ausser Kraft, wenn der Bundesrat der Bundesversammlung bis dahin keinen Entwurf für eine Anpassung der gesetzlichen Bewilligungskriterien nach Artikel 22a unterbreitet.

Ziffer II

1 Dieses Gesetz untersteht dem fakultativen Referendum. 2 Der Bundesrat bestimmt das Inkrafttreten.

Quelle: Fedlex — BBl 2026 22 ↗
Umfragen Eine Umfrage ist keine Vorhersage.

Eine Umfrage zeigt nur die Stimmung an einem Tag. Sie sagt nicht, wie die Abstimmung ausgeht. Die Umfragen wurden im Internet und am Telefon gemacht.

Wer hat gefragt? Wann? Wie viele? Ja Nein Unsicher
LeeWas · Tamedia / 20 Minuten 7.–8. Okt. 2026 11'239 44 % 47 % 9 %
YouGov Schweiz · Eigenstudie 7.–19. Okt. 2026 2'949 38 % 33 % 29 %
gfs.bern · SRG SSR 5.–18. Okt. 2026 14'874 49 % 41 % 10 %

Kommt noch: Im November kommen weitere Umfragen.

Mehr dazu · zum Aufklappen
Irrtümer aufklären Was viele falsch verstehen — klar erklärt

Zahlen und Wörter aus dem Abstimmungs-Kampf. Und was die amtlichen Quellen sagen.

Viele denken:«Es geht um 25 Länder.»
Richtig ist:Das war 2025 richtig. Seit dem 1. Juli 2026 sind es 36 Länder. Der Bundes-Rat hat die Liste erweitert. Die Liste steht in einer Verordnung. Nicht im Gesetz.
fedlex.admin.ch
Viele denken:«Die Waffen-Exporte gehen zurück.» Oder: «Die Waffen-Exporte steigen stark.»
Richtig ist:Beides stimmt. Für verschiedene Jahre. 2023 und 2024 gingen die Exporte zurück. 2025 stiegen sie um 43 von 100 Teilen. Beide Seiten nehmen die Zahl, die zu ihnen passt.
admin.ch (SECO)
Viele denken:«Mit dem neuen Gesetz kann die Schweiz der Ukraine helfen.»
Richtig ist:Nein. Waffen an die Ukraine bleiben verboten. Das sagen beide Seiten.
parlament.ch
Was wir noch nicht wissen Hier fehlen noch Infos. Wir tragen sie später nach.
  • Alle grossen Parteien haben jetzt eine Parole.
  • Das Komitee sagt: Wir haben über 76'000 Unterschriften gesammelt. Der Bund hat 58'767 gültige Unterschriften gezählt. Wir nehmen die Zahl vom Bund.
  • Die Argumente haben wir mit dem Abstimmungs-Büchlein verglichen. Dort steht die Liste mit den 36 Partner-Ländern.
Für Lehr-Personen · Bezug zum Lehrplan
  • Sek I · Einstieg
    Was ist ein Referendum? 58'767 Unterschriften bringen ein Gesetz vors Volk. Hier reicht das Volk. Bei der Feuerwerks-Initiative am gleichen Tag müssen auch die Kantone Ja sagen.
  • Sek II / Gymi · BFS / ABU
    Gesetz und Verordnung: Die Länder-Liste steht nicht im Gesetz. Wer entscheidet dann? Und: Die gleiche Vorlage hat zwei Namen — je nach Seite.

Quellen: Bundesrat — Erläuterungen zur Volksabstimmung vom 29. November 2026 (Abstimmungsbüchlein, PDF) · Fedlex — KMG-Änderung vom 19.12.2025 (Referendumsvorlage, BBl 2026 22) · Fedlex — Kriegsmaterialgesetz (geltende Fassung, SR 514.51) · Fedlex — Kriegsmaterialverordnung, Anhang 2 (SR 514.511) · Parlament — Curia Vista, Geschäft 25.024 · Bundeskanzlei — Referendum zustande gekommen · Bundesrat/SECO — Ausfuhr von Kriegsmaterial im Jahr 2025 · Referendumskomitee — kriegsmaterial-referendum.ch · GSoA — Allianz bereit für den Abstimmungskampf (30.06.2026) · Ja-Komitee — kriegsmaterialgesetz.ch · Swissmem — Warum das aktuelle Kriegsmaterialgesetz die Schweiz verwundbar macht · SP Schweiz — Kriegsmaterial-Referendum · FDP — Parolen (Delegiertenversammlung 27.06.2026: Ja zum Kriegsmaterialgesetz) · swissvotes — Vorlage 693 · Bundeskanzlei — Abstimmungsvorlagen für den 29. November 2026 · LeeWas / Tamedia — Abstimmungsumfrage Welle 1 (14.10.2026, PDF) · SVP — Medienmitteilung zur Delegiertenversammlung (17.10.2026) · GLP — Parolen für die Abstimmungen vom 29. November (24.10.2026) · Travail.Suisse — Parolen für die Volksabstimmungen vom 29. November (15.10.2026) · economiesuisse — Parolen zum 29. November (15.09.2026, englische Fassung) · YouGov Schweiz — Stimmungsbarometer zum 29. November (20.10.2026) · gfs.bern — 1. SRG-Trendumfrage zum 29. November 2026 (23.10.2026)