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Abstimmung für die ganze Schweiz
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Noch kein Abstimmungs-Termin

Neue Verträge mit der EU (Bilaterale III)

Hintergrund Über diese Vorlage wird noch nicht abgestimmt. Es gibt noch keinen Termin. Die Parteien haben noch keine Parolen. Wir zeigen, was bis jetzt bekannt ist. Stand: 08. September 2026
Für wen?

Lese-Stufe: Leicht

Abstimmung
noch kein Termin — frühestens 2027
Wer muss Ja sagen?
offen: nur das Volk oder Volk und Kantone
Inhalt
5 alte Verträge neu, 5 neue Verträge
Parlament
Stände-Rat ab 28. September 2026

Quellen: EDA/Bundesrat (Faktenblätter, Botschaft) · parlament.ch (Kommissionen) · Rechtsgutachten · Parteien und Verbände · gfs.bern / LeeWas

Worum geht es?

Die Schweiz und die EU haben ein Paket von Verträgen gemacht. Fünf alte Verträge werden erneuert. Zum Beispiel: Menschen aus der EU dürfen in der Schweiz arbeiten. Fünf neue Verträge kommen dazu. Zum Beispiel über Strom, Gesundheit und Forschung. Das Wichtigste und das Umstrittenste sind die Regeln: Wenn die EU ihre Gesetze in diesen Bereichen ändert, soll die Schweiz mitmachen. Aber das Parlament und das Volk können Nein sagen. Bei Streit entscheidet ein Schieds-Gericht. Die Schweiz zahlt jedes Jahr Geld an ärmere EU-Länder. Das Parlament berät das Paket ab Herbst 2026. Wann das Volk abstimmt, ist noch offen. Auch offen: Müssen die Kantone auch Ja sagen?

Das Paket «Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU» wurde am 20. Dezember 2024 nach 197 Verhandlungsrunden materiell abgeschlossen, am 2. März 2026 unterzeichnet und am 13. März 2026 mit der Botschaft ans Parlament überwiesen (Geschäft 26.023). Anders als das 2021 abgebrochene Rahmenabkommen regelt es die institutionellen Fragen — dynamische Rechtsübernahme, Streitbeilegung, Ausgleichsmassnahmen — sektorbezogen innerhalb der einzelnen Marktzugangsabkommen. Die Botschaft umfasst drei neue Bundesgesetze (Beihilfeüberwachung, Berufsqualifikationen, Kohäsionsbeitrag), Änderungen an 36 Gesetzen und vier Verpflichtungskredite; innenpolitisch umstritten sind vor allem der Lohnschutz (14 Sozialpartner-Massnahmen) und die Schutzklausel bei der Zuwanderung. Die Referendumsfrage ist offen: Der Bundesrat beantragt das fakultative Staatsvertragsreferendum (Volksmehr); die Staatspolitischen Kommissionen wollen mit der pa.Iv. 26.425 den Verfassungsweg (Volks- und Ständemehr); die APK-S lehnte ein obligatorisches Referendum 8:5 ab; der Ständerat wies die Frage am 11. Juni 2026 zur Vertiefung zurück. Die Kompass-Initiative (111'422 Unterschriften) verlangt generell das Ständemehr für solche Verträge.

Wie kam es dazu?

Im Jahr 2021 hat der Bundes-Rat die Verhandlungen mit der EU abgebrochen. Seither werden die alten Verträge langsam schlechter. Und die Schweiz war lange nicht mehr bei den EU-Forschungs-Programmen dabei. 2024 hat die Schweiz neu verhandelt. Diesmal Vertrag für Vertrag. Das Ergebnis heisst «Bilaterale III». Die Gegner nennen es «Unterwerfungs-Vertrag». Die Befürworter sagen: Es gibt keinen besseren Weg.

Nach dem Abbruch des Institutionellen Rahmenabkommens (2021) verhandelten Schweiz und EU ab dem 18. März 2024 einen «vertikalen» Ansatz: institutionelle Regeln pro Abkommen statt in einem Dach. Der Bundesrat entschied sich am 30. April 2025 für das fakultative Referendum, eröffnete am 13. Juni 2025 die Vernehmlassung (bis 31. Oktober 2025; 22 von 26 Kantonen sowie EVP, FDP, Grüne, GLP und SP grundsätzlich dafür, SVP und EDU dagegen, SZ, NW, SH, TI ablehnend) und unterzeichnete das Paket am 2. März 2026 in Brüssel. Am 22. April 2026 genehmigte er die mit der KdK ausgehandelte Vereinbarung zur Mitwirkung der Kantone. Die Kompass-Initiative wurde am 29. August 2025 eingereicht; der Bundesrat lehnt sie ohne Gegenvorschlag ab (Botschaft 13. August 2026). Im Sommer 2026 fassten WAK-S und APK-S gegenläufige Beschlüsse zum Lohnschutz; die APK-S stimmte dem Paket mit 9:3 zu. Der Ständerat behandelt es ab dem 28. September 2026 an drei Tagen; das Stromabkommen ist noch nicht beratungsreif.

Bei einem Ja
Die neuen Verträge gelten. Die Schweiz macht bei neuen EU-Regeln in diesen Bereichen mit. Aber über ihr eigenes Verfahren mit Parlament und Volk. Bei Streit entscheidet ein Schieds-Gericht. Sagt die Schweiz Nein zu einer Regel, darf die EU reagieren. Aber nur im gleichen Bereich. Die Schweiz zahlt ab 2030 jedes Jahr 350 Millionen Franken an ärmere EU-Länder.
Dynamische Rechtsübernahme für 8 von rund 140 Abkommen («dynamisch heisst nicht automatisch»: ordentliches innerstaatliches Verfahren inklusive Referendum); Decision Shaping ohne Stimmrecht; zweistufige Streitbeilegung (Gemischter Ausschuss, paritätisches Schiedsgericht, das den EuGH bei Auslegungsfragen von EU-Recht anrufen kann); verhältnismässige, auf das betroffene Abkommen beschränkte Ausgleichsmassnahmen statt Guillotine; Beihilferegeln nur für Luft-, Landverkehr und Strom; Kohäsionsbeitrag 130 Mio. Fr./Jahr bis 2029, 350 Mio. Fr./Jahr 2030–2036; Unionsbürgerrichtlinie arbeitsmarktorientiert mit Ausnahmen, eigenständig auslösbare Schutzklausel (Indikatoren Leerstand, Stau, Löhne); Lohnschutz mit Nichtrückschrittsklausel und 14 Massnahmen — deren Umsetzung ist im Parlament umstritten.
Bei einem Nein
Die alten Verträge bleiben. Aber sie werden nicht erneuert. Die neuen Verträge über Strom, Gesundheit und Forschung kommen nicht. Was die EU dann macht, ist nicht geregelt.
Die Bilateralen I und II gelten weiter, ohne Aktualisierung; die Guillotine-Klausel der Bilateralen I bleibt bestehen. Der Bund erwartet eine schleichende Erosion des Marktzugangs (Beispiel MRA). Die Assoziierung an Horizon Europe (seit 1.1.2025) und die geplante Erasmus+-Teilnahme (2027) hängen vom Paket ab. Die Gegner sehen darin die Wahrung der Entscheidungsfreiheit und den Erhalt des bilateralen Wegs ohne institutionelle Bindung.
Wer ist dafür, wer dagegen?
Ja
BundesratSPFDPGrüneGLPEVPeconomiesuisseArbeitgeberverbandOperation LiberoKantone (22 von 26)
Nein
SVPEDUKompass Europa

Noch offen oder mit Bedingung: Die Mitte · Gewerbeverband sgv · Bauernverband · Gewerkschaftsbund · Travail.Suisse

Das sind Meinungen von heute. Das sind noch keine Parolen. Parolen kommen erst vor der Abstimmung. · Stand: 08. September 2026

Die Waage: Was gewinnt man? Was gibt man auf?
Bei einem JA
+ Das gewinnt man
  • Sicherer Zugang zum EU-Markt, Strom-Vertrag, Forschung
  • Klare Regeln bei Streit
− Das gibt man auf
  • Die Schweiz muss bei neuen EU-Regeln in 8 Bereichen mitziehen
  • Jedes Jahr Geld für die EU-Länder
Bei einem NEIN
+ Das gewinnt man
  • Die Schweiz entscheidet ganz allein
  • Kein Geld an EU-Länder, keine neuen Regeln für Zuwanderung
− Das gibt man auf
  • Die alten Verträge werden langsam schlechter
  • Kein Strom-Vertrag, Forschung und Erasmus unsicher

Jede Wahl hat einen Preis. Beide Seiten sind gleich gezeigt.

Gründe: dafür und dagegen

Dafür

Bundes-Rat / economiesuisse / Operation Libero
Selbst-Bestimmung & Recht Die Schweiz übernimmt EU-Regeln nur in 8 von 140 Verträgen. Und nie automatisch. Das Parlament und das Volk können immer Nein sagen. Das Schieds-Gericht entscheidet. Nicht der EU-Gerichtshof. Quelle: Bundes-Rat / economiesuisse / Operation Libero ↗
Wirtschaft & Markt Die EU ist der wichtigste Handels-Partner. Es gibt keinen besseren Weg. Die Schweiz ist wieder bei den Forschungs-Programmen dabei. Quelle: economiesuisse / Bundes-Rat ↗
Löhne & Zuwanderung Der Lohn-Schutz wird nicht abgebaut. Es gibt 14 neue Massnahmen. Und die Schweiz bekommt eine Notbremse bei der Zuwanderung. Quelle: Bundes-Rat / Aussenpolitische Kommission vom Stände-Rat ↗
Volks-Rechte & Verfahren Für eine Abstimmung mit Kantons-Mehr gibt es keine Grundlage in der Verfassung. Das Volk hat 2012 mit 75 von 100 Stimmen Nein gesagt zu so einer Regel. Quelle: Rechts-Gutachten Martin Dumermuth / Bundes-Rat Beat Jans ↗

Dagegen

SVP (Kampagne «EU-Unterwerfungs-Vertrag»)
Selbst-Bestimmung & Recht Die Schweiz muss EU-Recht übernehmen. Bei Streit entscheidet am Ende das Gericht der EU. Und wenn die Schweiz Nein sagt, wird sie bestraft. Quelle: SVP (Kampagne «EU-Unterwerfungs-Vertrag») ↗
Wirtschaft & Markt Die Schweiz zahlt jedes Jahr Millionen an Brüssel. Und sie übernimmt die ganze EU-Bürokratie. Quelle: SVP ↗
Löhne & Zuwanderung Mehr Menschen aus der EU bekommen Rechte in der Schweiz. Das belastet die Sozial-Werke. Und der Lohn-Schutz könnte im Parlament abgebaut werden. Quelle: SVP / Gewerkschafts-Bund (nur bedingt dafür) ↗
Volks-Rechte & Verfahren Das Paket ist so wichtig, dass Volk und Kantone abstimmen müssen. Nur das Volk reicht nicht. Quelle: Staatspolitische Kommission vom Stände-Rat / Kompass Europa ↗
Beispiele: Was wäre anders?

Wähle ein Beispiel. Du siehst: Wie ist es heute? Wie wäre es mit der neuen Regel?

So ist es heute

Die Schweiz macht die Regel selbst nach. Ohne Mitsprache.

So wäre es mit der neuen Regel

Die Schweiz redet mit, wenn die EU die Regel macht. Dann übernimmt sie die Regel über ihr eigenes Verfahren. Bei einem Nein darf die EU reagieren.

Umfragen Eine Umfrage ist keine Vorhersage.

Es gibt noch keinen Abstimmungs-Termin. Darum sind die Umfragen keine Vorhersage. Die Zahlen sind sehr verschieden. Das hängt davon ab, wer fragt und wie.

Wer hat gefragt? Wann? Wie viele? Ja Nein Unsicher
gfs.bern (13. Europabefragung) · Interpharma 2026 62 % 31 % 7 %
LeeWas · Tamedia / 20 Minuten 2026 46 % 40 % 14 %

Kommt noch: Richtige Umfragen kommen erst, wenn es einen Termin gibt.

Mehr dazu · zum Aufklappen
Irrtümer aufklären Was viele falsch verstehen — klar erklärt

Wichtige Wörter aus dem Streit. Was sicher ist. Und wo die Meinungen auseinander-gehen.

Viele denken:«Die Schweiz übernimmt automatisch EU-Recht.»
Richtig ist:Sicher ist: Das Parlament und das Volk können Nein sagen. Umstritten ist: Ist das Nein wirklich frei? Denn die EU darf dann reagieren.
europa.eda.admin.ch
Viele denken:«Fremde Richter entscheiden.»
Richtig ist:Das Schieds-Gericht entscheidet. Es hat gleich viele Richter von beiden Seiten. Bei Fragen zum EU-Recht muss es den EU-Gerichtshof fragen. Die einen sagen: normal. Die anderen sagen: Dann entscheidet die EU.
europa.eda.admin.ch
Viele denken:«Milliarden für Brüssel.»
Richtig ist:Die Schweiz zahlt ab 2030 jedes Jahr 350 Millionen Franken. Das Geld geht in Projekte in ärmeren EU-Ländern. Nicht an die EU selbst. Ob das ein Tribut ist oder ein guter Beitrag, ist Meinung.
europa.eda.admin.ch
Viele denken:«Bilaterale III» oder «Unterwerfungs-Vertrag»?
Richtig ist:Der amtliche Name ist lang: «Paket zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU». «Bilaterale III» ist die kurze Form. «Unterwerfungs-Vertrag» ist ein Kampf-Wort der Gegner. Jedes Wort macht ein Bild im Kopf.
nzz.ch
Was wir noch nicht wissen Hier fehlen noch Infos. Wir tragen sie später nach.
  • Wir wissen nicht, ob die Kommission vom Stände-Rat nach dem 11. Juni 2026 neu entschieden hat. Das prüfen wir vor der Beratung im Stände-Rat.
  • Die genauen Namen der drei neuen Gesetze kennen wir noch nicht.
  • Die Parteien haben noch keine Parolen. Das sind erst Meinungen.
  • Die Umfragen sind nur teilweise belegt.
Für Lehr-Personen · Bezug zum Lehrplan
  • Sek I · Einstieg
    Wie kommt eine Vorlage vors Volk? Und wer bestimmt die Regeln dafür? Hier ist sogar das Verfahren umstritten.
  • Sek II / Gymi · BFS / ABU
    Was gibt ein Land auf, wenn es beim EU-Markt mitmacht? Was gewinnt es? Eine Waage ohne einfache Antwort. Und: Warum heisst das gleiche Paket «Bilaterale III» oder «Unterwerfungs-Vertrag»?

Quellen: EDA — Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU · EDA — Inhalt des Pakets Schweiz–EU · Bundesrat — Faktenblatt Institutionelle Elemente (13.06.2025, PDF) · Bundesrat — Faktenblatt Schweizer Beitrag (PDF) · admin.ch — Medienmitteilung zur Botschaft (13.03.2026) · EDA — Zwischenbericht zur Vernehmlassung (PDF) · Parlament — SPK-S Medienmitteilung 06.05.2026 · Parlament — Sprechnotiz Martin Dumermuth zur Referendumsfrage (25.03.2026, PDF) · EDA — Bundesrat bekräftigt Position zur pa.Iv. 26.425 (12.08.2026) · EJPD — Kompass-Initiative · SRF — Ständeratskommission will Volks- und Ständemehr · swissinfo — Kommissionen verlangen Volks- und Ständemehr (22.05.2026) · swissinfo — Ständerat verschiebt Entscheid (11.06.2026) · nau.ch — Ständeratskommissionen uneins beim Lohnschutz (14.08.2026) · SGB — Ständeratskommission stellt Lohnschutz infrage · SRF — Abschluss der Verhandlungen: darauf haben sich Schweiz und EU geeinigt · 20 Minuten — Medienkonferenz zur Botschaft (13.03.2026) · SVP — Kampagne «EU-Unterwerfungsvertrag» · economiesuisse — Faktencheck Bilaterale III (31.07.2026) · Operation Libero — Faktencheck Bilaterale III · Thomas Cottier — Verfassung ist kein Spielball der Politik (26.06.2026) · Interpharma / gfs.bern — Europabefragung 2026 · blue News — LeeWas-Umfrage · NZZ — Wie mit Wörtern Politik gemacht wird · cash.ch — Session im Zeichen des EU-Vertragspakets